Geraden im dreidimensionalen Raum

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Eine Gerade \(g\) im \(\mathbb R^3\) lässt sich allgemein wie folgt darstellen.

\(g: \vec x(t)=\vec a+t\cdot\vec b\), \(t\in\mathbb R\),

wobei \(\vec a\) Stützvektor und \(\vec b\) Richtungsvektor genannt wird.

Der Parameter \(t\in\mathbb R\) gibt gewissermaßen an "wo wir uns auf der Geraden befinden".

Beispiel:

Es sei die Gerade \(g: \vec x(t)=\begin{pmatrix}1\\2\\3\end{pmatrix}+t\cdot\begin{pmatrix}4\\5\\6\end{pmatrix}\).

Durch Einsetzen von verschiedenen Werten für \(t\) erhalten wir die Koordinaten von Punkten, welche auf der Geraden liegen.

  • \(t=0\), \(\vec x(0)=\begin{pmatrix}1\\2\\3\end{pmatrix}\). Das ist der Ortsvektor des Punktes \((1,2,3)\), welcher demzufolge auf der Geraden liegt.
  • \(t=1\), \(\vec x(1)=\begin{pmatrix}5\\7\\9\end{pmatrix}\), d.h. der Punkt \((5,7,9)\) liegt ebenfalls auf dieser Geraden.
  • \(t=2\), \(\vec x(2)=\begin{pmatrix}9\\12\\15\end{pmatrix}\), d.h. der Punkt \((9,12,15)\) liegt ebenfalls auf dieser Geraden.
  • \(t=-1\), \(\vec x(-1)=\begin{pmatrix}-3\\-3\\-3\end{pmatrix}\), d.h. der Punkt \((-3,-3,-3)\) liegt ebenfalls auf dieser Geraden.

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Frage: Liegt der Punkt \((-6,-6,-6)\) auf der Geraden?

Wenn dem so ist, dann muss es ein \(t\in\mathbb R\) geben sodass diese 3 Gleichungen erfüllt sind:

  • \(-6=1+4t \iff t=-\frac 74\),
  • \(-6=2+5t \iff t=-\frac 85\),
  • \(-6=3+6t \iff t=-\frac 32\).

Wir erhalten nicht denselben Wert für \(t\), wenn wir die einzelnen Gleichungen umstellen.

Demzufolge gehört der Punkt \((-6,-6,-6)\) nicht zur Geraden \(g\).

 

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Verbindungsgerade zweier Punkte

 

Gegeben seien zwei Punkte \(A\) und \(B\).

Wir möchten diejenige Gerade bestimmten, welche diese beiden Punkte verbindet.

Diese kann beispielsweise wiefolgt dargestellt werden.

\(g: \vec x(t)=\vec{OA}+t\cdot\vec{AB}\).

Als Stützvektor setzen wir also den Ortsvektor eines der beiden gegebenen Punkte ein.

Als Richtungsvektor können wir ein beliebiges Vielfache des Verbindungsvektors der beiden Punkte wählen.

 

 

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Beispiel:

Gesucht ist die Gerade \(g\), welche die beiden Punkte \(A(1,2,3)\) und \(B(-1,0,-2)\) verbindet.

Als Stützvektor wählen wir \(\vec{OA}=\begin{pmatrix}1\\2\\3\end{pmatrix}\) (auch \(\vec{OB}\) wäre möglich).

Als Richtungsvektor wählen wir \(\vec{AB}=\begin{pmatrix}-2\\-2\\-5\end{pmatrix}\) (auch ein bel. Vielfaches dieses Vektors wäre möglich).

Wir erhalten

\(g: \vec x(t)=\begin{pmatrix}1\\2\\3\end{pmatrix}+t\cdot\begin{pmatrix}-2\\-2\\-5\end{pmatrix}\).

Probe: Für \(t=0\) erhalten wir den Ortsvektor zu \(A\). Für \(t=1\) erhalten wir den Ortsvektor zu \(B\).

 

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Lagebeziehungen

Zwei Geraden im \(\mathbb R^3\) können

  • identisch sein,
  • parallel zueinander verlaufen,
  • sich genau in einem Punkt schneiden,
  • windschief sein.

Gegeben seien die zwei Geraden

\(g_1: \vec x(t)=\vec a+t\cdot\vec b\quad\) und \(\quad g_2: \vec x(s)=\vec c+s\cdot\vec d\).

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Folgende Fälle können nun auftreten:

Die Richungsvektoren \(\vec b\) und \(\vec d\) sind linear abhängig Die Richungsvektoren \(\vec b\) und \(\vec d\) sind linear unabhängig

\(\vec a+t\cdot\vec b=\vec c+s\cdot\vec d\)

ist immer erfüllt.

(Es reicht nachzuweisen, dass ein Punkt von \(g_1\) auf \(g_2\) liegt!)

\(\vec a+t\cdot\vec b=\vec c+s\cdot\vec d\)

ist niemals erfüllt.

(Es reicht nachzuweisen, dass ein Punkt von \(g_1\) nicht auf \(g_2\) liegt!)

\(\vec a+t\cdot\vec b=\vec c+s\cdot\vec d\)

ist für genau eine Kombination von \(s\) und \(t\) erfüllt.

\(\vec a+t\cdot\vec b=\vec c+s\cdot\vec d\)

ist niemals erfüllt.

 
\(\Rightarrow\) \(g_1\) und \(g_2\) sind identisch. \(\Rightarrow\) \(g_1\) und \(g_2\) sind parallel zueinander. \(\Rightarrow\) \(g_1\) und \(g_2\) schneiden sich in einem Punkt. \(\Rightarrow\) \(g_1\) und \(g_2\) sind windschief.

 

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In diesem Video wird die Lagebeziehung zwischen Geraden nochmal anschaulich erklärt:

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Beispiel:

Wir betrachten die beiden Geraden

\(g_1:\vec x(t)=\begin{pmatrix}3\\-2\\-2\end{pmatrix}+t\cdot\begin{pmatrix}1\\-1\\-2\end{pmatrix}\quad\) und \(\quad g_2:\vec x(s)=\begin{pmatrix}1\\0\\2\end{pmatrix}+s\cdot\begin{pmatrix}-3\\3\\6\end{pmatrix}\).

Die beiden Richtungsvektoren sind linear abhängig, denn es gilt

\(\begin{pmatrix}-3\\3\\6\end{pmatrix}=-3\cdot\begin{pmatrix}1\\-1\\-2\end{pmatrix}\).

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Die beiden Geraden sind also entweder identisch oder verlaufen parallel zueinander.

Es reicht zu überprüfen, ob ein Punkt von \(g_1\) auf der Geraden \(g_2\) liegt.

Der Punkt \(P(3,-2,-2)\) liegt auf \(g_1\). Wir setzen dessen Ortsvektor in \(g_2\) ein und schauen ob dies zum Widerspruch führt.

\(\begin{pmatrix}3\\-2\\-2\end{pmatrix}=\begin{pmatrix}1\\0\\2\end{pmatrix}+s\cdot\begin{pmatrix}-3\\3\\6\end{pmatrix}\).

Die Gleichung ist offenbar erfüllt, wenn \(s=-\frac23\) ist.

Der Punkt \(P(3,-2,-2)\) (und damit auch alle anderen Punkte von \(g_1\)) liegt daher auch auf der Geraden \(g_2\).

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\(\Rightarrow\) \(g_1\) und \(g_2\) sind identisch.

 

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Beispiel:

Wir betrachten die beiden Geraden

\(g_1:\vec x(t)=\begin{pmatrix}-1\\-3\\1\end{pmatrix}+t\cdot\begin{pmatrix}1\\1\\2\end{pmatrix}\quad\) und \(\quad g_2:\vec x(s)=\begin{pmatrix}1\\-3\\4\end{pmatrix}+s\cdot\begin{pmatrix}-1\\-1\\-2\end{pmatrix}\).

Die beiden Richtungsvektoren sind linear abhängig, denn es gilt

\(\begin{pmatrix}-1\\-1\\-2\end{pmatrix}=-1\cdot\begin{pmatrix}1\\1\\2\end{pmatrix}\).

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Die beiden Geraden sind also entweder identisch oder verlaufen parallel zueinander.

Es reicht zu überprüfen, ob ein Punkt von \(g_1\) auf der Geraden \(g_2\) liegt.

Der Punkt \(P(-1,-3,1)\) liegt auf \(g_1\). Wir setzen dessen Ortsvektor in \(g_2\) ein und schauen ob dies zum Widerspruch führt.

\(\begin{pmatrix}-1\\-3\\1\end{pmatrix}=\begin{pmatrix}1\\-3\\4\end{pmatrix}+s\cdot\begin{pmatrix}-1\\-1\\-2\end{pmatrix}\).

Wenn wir in den einzelnen drei Komponenten nach \(s\) umstellen, erhalten wir unterschiedliche Werte \(\Rightarrow\) Widerspruch.

(erste Zeile: \(s=2\), zweite Zeile: \(s=0\), dritte Zeile: \(s=\frac32\).)

Der Punkt \(P(3,-2,-2)\) (und damit auch alle anderen Punkte von \(g_1\)) liegt also nicht auch auf der Geraden \(g_2\).

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\(\Rightarrow\) \(g_1\) und \(g_2\) verlaufen parallel zueinander.

 

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Beispiel:

Wir betrachten die beiden Geraden

\(g_1:\vec x(t)=\begin{pmatrix}3\\-5\\7\end{pmatrix}+t\cdot\begin{pmatrix}0\\3\\-4\end{pmatrix}\quad\) und \(\quad g_2:\vec x(s)=\begin{pmatrix}-1\\-5\\0\end{pmatrix}+s\cdot\begin{pmatrix}4\\3\\3\end{pmatrix}\).

Die beiden Richtungsvektoren sind linear unabhängig, denn

\(\begin{pmatrix}0\\3\\-4\end{pmatrix}\neq r\cdot\begin{pmatrix}4\\3\\3\end{pmatrix}\quad\) für jedes \(r\in\mathbb R\).

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Die beiden Geraden sind also entweder windschief oder schneiden sich in einem Punkt.

Wir setzen gleich und erhalten für die einzelnen Komponenten.

\(3=-1+4s\) \(\iff\) \(s=1\)
\(-5+3t=-5+3s\)   setzen wir \(s=1\), dann erhalten wir \(t=1\)
\(7-4t=3s\)   Diese Gleichung stimmt, wenn wir \(t=1\) und \(s=1\) einsetzen.

 

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Wir erhalten also keinen Widerspruch. Die Gleichungen sind erfüllt für die Kombination \(s=1\), \(t=1\).

\(\Rightarrow\) \(g_1\) und \(g_2\) schneiden sich im Punkt \(S(3,-2,3)\).

Den Schnittpunkt können wir bestimmen, indem wir \(t=1\) in \(g_1\) bzw. indem wir \(s=1\) in \(g_2\) einsetzen.

 

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Beispiel:

Wir betrachten die beiden Geraden

\(g_1:\vec x(t)=\begin{pmatrix}-3\\-1\\-2\end{pmatrix}+t\cdot\begin{pmatrix}0\\3\\-1\end{pmatrix}\quad\) und \(\quad g_2:\vec x(s)=\begin{pmatrix}-5\\1\\2\end{pmatrix}+s\cdot\begin{pmatrix}4\\0\\2\end{pmatrix}\).

Die beiden Richtungsvektoren sind linear unabhängig, denn

\(\begin{pmatrix}0\\3\\-1\end{pmatrix}\neq r\cdot\begin{pmatrix}4\\0\\2\end{pmatrix}\quad\) für jedes \(r\in\mathbb R\).

\(~\)

Die beiden Geraden sind also entweder windschief oder schneiden sich in einem Punkt.

Wir setzen gleich und erhalten für die einzelnen Komponenten.

\(-3=-5+4s\) \(\iff\) \(s=\frac12\)
\(-1+3t=1\) \(\iff\) \(t=\frac23\)
\(-2-t=-2+2s\)   Diese Gleichung stimmt nicht, wenn wir \(t=\frac23\) und \(s=\frac12\) einsetzen.

 

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Wir erhalten also einen Widerspruch.

\(\Rightarrow\) \(g_1\) und \(g_2\) sind windschief.

 

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Übung:

Bearbeite nun den zweiten Selbsttest zum Thema Analytische Geometrie!

 

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