Sprache und Ideologie

TU Dresden | Sommersemester 2017 Sprache und Ideologie

Montag 11:10-12:40 Uhr, HSZ 101

 

Gespenst: Ideologie.

Nach den diversen diskursiven Verschiebungen der vergangenen Jahre liest man diese altehrwürdige Vokabel wieder öfter: Sei es als Stigmawort für die Position des politischen Gegners, als Fachausdruck in politischen Leitartikeln oder allenthalben als Füllwort oder Floskel. Doch während der Begriff in den letzten Jahrzehnten in der hiesigen sprach- und kulturwissenschaftlichen Forschung aufgrund seiner scheinbar zweifelhaften Provenienz bestenfalls stiefmütterlich behandelt  wurde — folgte man Paul Veyne, müsste man sich sogar, "heiligen Texten zum Trotz, dazu entschließen, dieses Wort nie mehr zu benutzen“ —, erfuhr das Konzept Ideologie, dessen sich so unterschiedliche Denker_innen wie Ernesto Laclau & Chantal Mouffe, Slavoj Žižek oder Michael Freeden bedienen, in den letzten Jahrzehnten in der englischsprachigen Forschung eine ungeahnte Renaissance und reifte somit zu einem mächtigen Analyseinstrument für (politische) Weltanschauungen und Überzeugungen heran. Grund genug, das Denken der Ideologie einer zeitgemäßen Revision zu unterziehen. Wir wollen also den Versuch unternehmen, eine Neubegründung des Terminus für die Linguistik zu wagen.

 

Die Hauptschwierigkeit bei der Beschäftigung mit dem Ideologiebegriff liegt bei seiner notorischen semantischen Unschärfe, weswegen wir uns im Seminar zunächst mit seinen unterschiedlichen historischen Gebrauchsweisen auseinandersetzen müssen. Mit der Abgrenzung der Ideologie zu verwandten Konzepten wie Mentalität und Diskurs soll anschließend der engere disziplinäre Gegenstandsbereich abgesteckt werden, um die verschiedenen Funktionen und Erscheinungsformen von Ideologie(n) beschreiben zu können, bevor zentrale Analysekonzepte der Ideologieforschung (morphologische, diskursive und begriffsgeschichtliche Analyse, Leerformeln) einerseits, der kulturanalytischen Linguistik (Hegemonieanalyse, Sprache und Wissen) andererseits fokussiert werden. Fragen nach der sprachlichen Funktionsweisen der großen Makroideologien Liberalismus, Sozialismus und Konservatismus und danach, welche medialen und bildlichen Inszenierungsstrategien Ideologien (aus-)nutzen können, sollen zur Erweiterung des sprach- und kulturwissenschaftlichen Horizonts beitragen. Um ein vertieftes Verständnis zum Zusammenhang zwischen politischem (Sprach-)Handeln, gesellschaftlicher Machtformation und ‚subjektiver‘ Meinungsbildung zu erlangen, werden wir uns zudem am Rande mit politischen, philosophischen und (de-)konstruktivistischen Theorien beschäftigen.

 

Das Seminar ist lektüre- und arbeitsintensiv. Voraussetzung für die Teilnahme ist die Bereitschaft zu theoretischer und interdisziplinärer Lektüre. Eine Teilnahme macht nur Sinn, wenn die jeweiligen Sitzungen gründlich vor- und nachbereitet werden. Zur ersten Sitzung ist der Text von Herbert Schnädelbach (Was ist Ideologie?) zu lesen.

 

Zur Einführung empfohlen:
Freeden, Michael (2003): Ideology. A Very Short Introduction. Oxford: University Press.

 

Für manche Sitzungen werden mehrere Texte zur Verfügung gestellt. Sie suchen sich zur jeweiligen Sitzung die angegebene Anzahl von Texten aus, den Sie gründlich durcharbeiten. Die anderen Texte lesen Sie bitte kursorisch, heißt: Zumindest öffnen Sie die Textdatei und verinnerlichen die Kapitelüberschriften und im besten Falle die Schlagwörter (Stichwort: Querlesen). 

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