TU Dresden | Sommersemester 2017 Die Metapher

Dr. Tanja Prokic

Die Metapher gilt als zentrale Operation der Literatur, als rhetorisches Stilmittel wurde sie zunächst in der Rhetorik und Philosophie seit Aristoteles (Rhetorik, Poetik) zahlreichen Definitionsversuchen ausgesetzt. Während die antike Traditionslinie (etwa Quintilian, Cicero) die Metapher gegenüber den Begriffen eindeutig abwertet (Substitutionstheorie), setzt sich besonders mit Blumenberg die These durch, dass die Metapher das (noch) Unsagbare auf den Weg bringt. Max Black spricht etwa von der Metapher als Erkenntnismittel. So setzt sich die Interaktionstheorie mit dem Ansatz einer Bedeutungserweiterung der Substitutionstheorie entgegen. Entsprechend unterschiedlich wird die Metapher in die Nähe zum Vergleich, zum Gleichnis, zur Katachrese, zum Bild oder zur Metonymie gesetzt. Im Seminar sollen auch diese angrenzenden oder verwandten Stilmittel untersucht werden und an ausgewählten und gemeinsam auszuwählenden kurzen literarischen Beispieltexten geprüft werden, welche Definitionen für die Literaturwissenschaft produktiv sind und vor allem, ob die Literaturen nicht selbst poetologisch Stellung zu schematischen und rhetorischen Theorien beziehen sowie retroaktiv die Metapher formen (etwa bei Robert Musil oder Franz Kafka). Dabei soll vor allem auch die psychoanalytische Tradition einbezogen werden (Freud, Lacan, Derrida), die mit Freuds „Verschieben“ und „Verdichten“ und Lacans linguistischer Revision (Metapher/Metonymie) explizite Nähe zu zeitgenössischen Literaturen und literaturwissenschaftlichen Überlegungen zur Verfremdung (Russischer Formalismus, Brecht etc.) aufweist. Ein besonderer Schwerpunkt des Seminars liegt in einer von antagonistischen Medienkonkurrenzen ausgelösten „Ikonisierung“ der Metapher; dabei sollen bisher zaghafte Ansätze zum Verhältnis von sprachlicher Metapher und visueller Metapher (Film, Video, Werbung) geprüft werden. Vorwissen ist wie immer nützlich, aber nicht ausdrücklich erwünscht. Das Seminar richtet sich an Anfänger und Interessierte gleichermaßen!

Zur Einstimmung: Hans Blumenberg: Löwen, Suhrkamp: Berlin 2010; Synecdoche, New York (R: Charlie Kaufmann, USA 2008)

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