Abstraktion und Einfühlung

TU Dresden | Wintersemester 2017 / 2018 Abstraktion und Einfühlung

Dr. Tanja Prokic

WICHTIG!

Das Seminar beginnt mit einer Doppelsitzung zum 18. Oktober, bitte lesen Sie schon einmal die entsprechenden

Texte im Ordner zur Einführung quer. Alles weitere besprechen wir dann in dieser ersten Sitzung. Falls Sie Interesse

am Seminar haben und nicht eingeschrieben sind, kommen Sie gerne einfach zur ersten Sitzung! Nachzügler*innen

sind nur bis zur zweiten Sitzung willkommen, danach wird der Einstieg ins Seminar schwierig.

„Abstraktion und Einfühlung: Ein Beitrag zur Stilpsychologie“ lautet der Titel der Dissertation des Kunsthistorikers Wilhelm Worringer von 1908. Obgleich im gängigen Kanon der (germanistischen) Literaturwissenschaft nicht gelistet, gilt diese Arbeit als eine der einflussreichsten Schriften des 20. Jahrhunderts. Worringers in zahlreiche Sprachen übersetzte Dissertation bestimmte wesentlich den deutschen Expressionismus mit, zeitigte aber auch unmittelbare und mittelbare Effekte auf die Literaturen und kulturtheoretischen wie kunsthistorischen Schriften bis zur Weimarer Republik. In der Wiege der Moderne trägt die Schrift Worringers die Signatur einer Zeit, die beginnt Epochen auf ihre konzeptionellen Manifestationen in Stil, als Relation von Form und Medium, zu befragen. Das Ringen der Literatur spätestens seit 1900 um das Verhältnis von Abstraktion und Einfühlung, Nähe und Distanz, Abstraktion und Konkretion, Metapher und Literalität, Innen und Außen, Verdrängung und Projektion, Symbol und Zeichen, Materialität und Immaterialität, Sichtbarem und Unsichtbarem, Gestalt und Gestaltlosigkeit unter den Schlagworten „Krise der Repräsentation“, „Sprachkrise“  oder „Krise des geistigen Lebens“ ringen, soll Gegenstand des Seminars sein. Gemeinsam wollen wir ausgewählte theoretische Schriften (Friedrich Th. Vischer, Wilhelm Dilthey, Erich Auerbach, Ernst Cassirer, Georg Simmel, Erwin Panofsky, Hermann Bahr, Walter Benjamin), literarische Erzählungen  (Hoffmannsthal, Kafka, Musil, Tergit, Kolmar, Fleißer, Benn, Brecht) und Kunstwerke (Impressionismus, Expressionismus, Surrealismus, Dada etc.) auf die Relation von Abstraktion und Einfühlung befragen.

Zudem wollen wir Worringers Begriff des Anorganischen und die Attraktion für die Postmoderne Philosophie etwa Gilles Deleuzes’ oder die Effekte auf gegenwärtige Tendenzen wie die Object Oriented Ontologie, Ding-Theorien oder den New Materialism befragen.

Dr. Tanja Prokic

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