Dimensionen der Entfremdung

TU Dresden | Wintersemester 2018 / 2019 Dimensionen der Entfremdung

Lehrender: Dr. Helmut Gebauer

Raum: HSZ/E05/U

Zeit: Do. 5. DS

Beginn: 11.10.2018

 

Im Unterschied zum Begriff der Freiheit ist jener der Entfremdung ein wenig in Vergessenheit geraten. Dies verwundert umso mehr, als moderne Technologieentwicklungen und deren kapitalistische Funktionalisierung und politische Instrumentalisierung geradezu alltäglich erlebbar werden lassen, was sich inhaltlich mit dem Entfremdungsbegriff verbindet: Das, was wir als das ursprünglich Eigene an uns wahrnehmen, wird veräußert, tritt uns als Objekt gegenüber, entzieht sich unserer Verfügung und wird zu einer fremden Macht. Das vieldiskutierte Schicksal unserer Daten in einer digitalisierten Gesellschaft lässt erfahrbar werden, was Marx als Entfremdung der Arbeit analysiert. „Der Arbeiter legt sein Leben in den Gegenstand; aber nun gehört es nicht mehr ihm, sondern dem Gegenstand … Die Entäußrung des Arbeiters in seinem Produkt hat die Bedeutung, nicht nur, daß seine Arbeit zu einem Gegenstand, zu einer äußern Existenz wird, sondern daß sie außer ihm, unabhängig, fremd von ihm existiert und eine selbständige Macht ihm gegenüber wird, daß das Leben, was er dem Gegenstand verliehn hat, ihm feindlich und fremd gegenübertritt.“ (Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, Leipzig 1974, S. 152)

Die Dimensionen der Entfremdung sind in der Geistesgeschichte in vielfältigen Formen diskutiert worden, sei es als Entfremdung von Gott, von der Natur, dem Wesen des Menschen, der Gemeinschaft etc. Über diesen geistesgeschichtlichen Blickwinkel hinaus wird in diesem Seminar immer auch der aktuelle Bezug zur Entfremdung in der modernen, einer tiefgreifenden wissenschaftlich-technischen Transformation unterliegenden Gesellschaft thematisiert.

 

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