Theorien des modernen Realismus

TU Dresden | Semester overlapping Theorien des modernen Realismus

Theorien des modernen Realismus

Seit der Entstehung der abendländischen Philosophie um 500 v. Chr. gehört die Frage nach der Beschaffenheit des Kosmos zu den Kernproblemen des spekulativen Denkens. Während die ersten Naturphilosophen nach dem Ursprung aller Dinge suchten (archē), entdeckte Parmenides ein Problem, dass der Philosophie eine neue, gewichtige Aufgabe brachte, nämlich die Frage nach der Identität von Denken und Sein („Denn [das Seiende] denken und sein ist dasselbe.“).Bis in das späte Mittelalter hinein galt es als selbstverständlich, dass es Dinge gibt, deren Existenz von geistigen Vorgängen unabhängig sind. Das Denken habe Zugriff auf diese extramentalen Entitäten, da Gott die Relation zwischen Subjekt und Objekt herstelle. Die Frage nach der Identität zwischen Denk- und Seinsbestimmungen wurde nicht behandelt.

Erst durch den methodischen Zweifel René Descarstes und den Idealismus Berkeleys wurdedie realistische Position fraglich. Selbst Immanuel Kant betrachtete es als den „Skandal der Philosophie und allgemeinen Menschenvernunft, das Dasein der Dinge außer uns [...] bloß auf Glauben annehmen zu müssen“ (AAIII, 23),da kein Beweis einer denkunabhängigen Wirklichkeit möglich sei.

Bis in die Gegenwart hinein nehmen viele philosophischen Theorien an, dass die uns umgebende natürliche (und soziale) Welt nicht so ist, wie sie erscheint, nämlich als etwas objektiv Gegebenes, dessen Existenz und Beschaffenheit vom Denken und Sprechen weitgehend unabhängig ist. Was in der kontinentalen Philosophie mit Friedrich Nietzsche populär wurde und sich über Michel Foucault im Poststrukturalismus fortsetze, entstand in der Analytischen Philosophie mit Nelson Goodmans „Ways of Worldmaking“ und Hilary Putnams frühen philosophischen Schriften. Die Dominanz antirealistischer Theorien deutet jedoch nicht darauf hin, dass die Frage nach der Existenz einer denkunabhängigen Wirklichkeit beantwortet sei. Spätestens mit Markus Gabriels Versuch eines „Neuen Realismus“ wird diese alte Frage der Philosophie wieder vermehrt diskutiert.

In diesem Seminar werden wir uns zunächst mit der theoretischen Position des Realismus beschäftigen. Im Anschluss diskutieren wir die realistischen Theorien des 20.Jahrhunderts. Im letzten Drittel des Seminars werden wir uns dann mit Markus Gabriels Projekt des „Neuen Realismus“ beschäftigen.

 

Vorbereitende Links


https://www.spektrum.de/lexikon/philosophie/realismus/1734

https://plato.stanford.edu/entries/realism/

https://www.zeit.de/campus/2014/06/markus-gabriel-philosophie-neuer-realismus

 

Kontakt

Jörn Spindeldreher

Email: joern.spindeldreher@tu-dresden.de

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