Affekte, Emotionen, Erzählen (19.-21. Jh.)

TU Dresden | Sommersemester 2021 Affekte, Emotionen, Erzählen (19.-21. Jh.)

Affekte, Emotionen, Erzählen (19.-21. Jh.)

HS/S (BA 2./3. J., MA, LA 2.-5. J., Ergänzungsbereich)

Zeit:  Di (5)

Ort: z.Z. online (Virtuelles Klassenzimmer hier im Opal-Kurs); falls es Änderungen zur Präsenzlehre gibt, werden diese rechtzeitig mitgeteilt

 

Die Konzepte „Affekt“ und „Emotion“ in Verbindung mit literarischen und anderen medialen Formen des Erzählens zu thematisieren, erscheint auf den ersten Blick banal. Einerseits, weil offensichtlich affektive und emotionale Phänomene, das narrative Reflektieren von Begehren, Hass, Angst, Melancholie, Trauer usw. häufig den Kern von Erzählungen bilden, andererseits, weil narrative Kommunikation sich bekanntlich dadurch auszeichnet, emotionale Reaktionen beim Publikum hervorrufen zu können. Betrachtet man allerdings mit neueren Ansätzen der kultur- und medienwissenschaftlichen Affekt- und Emotionsforschung Zustände, Motive, Ausdrucksformen und Wirkpotenziale des Emotionalen als kulturell, diskursiv und medial determiniert, ergibt sich eine Reihe relevanter Fragen, denen dieser Kurs nachgehen will: Haben Gefühle eine Geschichte? Verändern sich die literarischen Konjunkturen bestimmter affektiver Zustände in Abhängigkeit von historischen, diskursiven, medialen Kontexten? Welche Gefühle werden zugelassen bzw. thematisiert, welche nicht? Wie werden sie bewertet? In welchem Maße und mit welchen ästhetischen Mitteln affizieren Erzählungen ihr Publikum? Inwiefern provozieren ihre Strukturen Empathie, regen über emotionale Irritationen Reflexionsprozesse an und vor allem: inwiefern steuern sie Handeln? Welche kommunikativen Funktionen haben diese emotionalen Ansprachen in unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Kontexten? Kann man epochen- oder milieuspezifische Affektkulturen bestimmen? Der Kurs geht diesen Fragen anhand konkreter Fallstudien zu französischen bzw. frankophonen Texten und anderen Medien (Bild, Film) in verschiedenen kulturellen und ästhetischen Konstellationen nach:  Realismus und Naturalismus 19. Jh., Literatur und Psychoanalyse, politische Narrative (Kolonialismus, Resistance, Mai 68), postmoderne Emotionsregime, Transkulturalität affektiver Formensprachen, Intermedialität affektiver Formensprachen (filmisches Erzählen). Prüfungsleistungen: mündl. bzw. schriftlicher Seminarbeitrag gemäß Studienordnung. Zur Vorbereitung empfohlen [SLUB E-BOOK]: M. v. Koppenfels / C. Zumbusch (Hgg.) (2016), Handbuch Literatur und Emotionen, Berlin u.a.; H. Kappelhoff u.a. (Hgg.) (2019), Emotionen: ein interdisziplinäres Handbuch, Stuttgart u.a.; J. Grimm / S. Hartwig (Hgg.) (2014), Französische Literaturgeschichte, Stuttgart u.a.

 

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