Gotische Architektur von der Ile-de-France bis nach Lateinamerika (Prof. Bruno Klein)

TU Dresden | Sommersemester 2021 Gotische Architektur von der Ile-de-France bis nach Lateinamerika (Prof. Bruno Klein)

Gotische Architektur von der Ile-de-France bis nach Lateinamerika (Prof. Bruno Klein)

Traditionell gilt die Gotik vor allem als ein Architekturstil, der im Abendland quasi naturgesetzlich von der Mitte des 12. Jahrhunderts ins 16. Jahrhundert vorherrschte. Unter stetiger formaler und technischer Fortentwicklung soll sie sich in konzentrischen Kreisen wellenartig von ihrem Zentrum in der Ile-de-France über ganz Europa ausgebreitet habe, bis sie von einer anderen Welle, die von Italien ausging und Renaissance hieß, überlagert wurde.

In der Vorlesung soll der Versuch unternommen werden, die Geschichte der Gotik einmal anders zu lesen, und zwar als die Geschichte eines Repertoires von bestimmten Formen und Strukturen, das zwar höchst variabel war, aber dennoch einen hohen Grad an Wiedererkennbarkeit besaß. Daher konnten gotische Bauten auf vielfache Weise identitätsstiftend wirken: Die „gotische Kathedrale“ bildete sich beispielsweiseschon früh zum Idealtypus einer Kirche heraus, der an vielen Orten Europas imitiert und immer wieder weiterentwickelt wurde. Ganz andere Vorstellungen von der idealen Kirche verbreiteten die Zisterzienser und Bettelorden europaweit, während in den Hansestädten rund um die Ostsee ganze Gruppen mächtiger Backsteinkirchen errichtet wurden, die sich typologisch oft in erstaunlichem Maße gleichen. Ähnliches geschah in den Kreuzritter -und Handelsstädten des östlichen Mittelmeerraums. Selbst die Kirchen der Konquistadoren in Amerika waren selbstverständlich gotisch. Aber auch Burgen, Paläste, Kommunal- und Privatbauten zeigten das gotische Formenrepertoire.

Die Vorlesung hat zum Ziel, unter dem Aspekt der Identitätskonstruktion einen chronologisch und geographisch weitgespannten, wenngleich notgedrungen nur knappen Überblick über das Phänomen der gotischen Architektur zu geben.

Einführende Literatur:

Rolf Toman (hg.): Die Kunst der Gotik. Architektur, Skulptur, Malerei. Köln 1998

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