Forschungsreisen der frühen Kunsthistoriker (Prof. Henrik Karge)

TU Dresden | Sommersemester 2021 Die Genese der modernen Kunstgeschichte im 19. Jahrhundert (mit Exkursion, Prof. Henrik Karge)

Die Genese der modernen Kunstgeschichte im 19. Jahrhundert (mit Exkursion, Prof. Henrik Karge)

Die Kunstgeschichte als moderne Geisteswissenschaft ist um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Die „allgemeine Kunstgeschichte“ als systematische Disziplin wurde ab ca. 1830 von Karl Schnaase und Franz Kugler begründet und von Jacob Burckhardt modifiziert; daneben spielten auch Carl Friedrich von Rumohr, Gustav Friedrich Waagen und Wilhelm Lübke eine wichtige Rolle. In ihren großen Handbüchern der Kunstgeschichte entwickelten Kugler und Schnaase in unterschiedlichen, sich ergänzenden Konzeptionen das Repertoire der Methoden und Begriffe (bes. Stilbegriffe), mit denen man großenteils noch heute arbeitet. Mehr noch: Sie schufen erstmals eine Kunstgeschichte in globalen Dimensionen, die zur aktuellen Global Art History vorausweist. 

Trotz dieser fundamentalen Bedeutung für das Fach Kunstgeschichte sind die Biografien und Werke der frühen deutschen Kunsthistoriker erstaunlich wenig erforscht. Prof. Karge hat seit mehreren Jahren eine Vielzahl von Studien vorgelegt, um diese Lücke zu schließen, und bereitet gerade ein großes Gesamtwerk zur Genese der modernen Kunstgeschichte vor. Das Hauptseminar bietet den Studierenden die besondere Gelegenheit, in diese aktuellen Forschungen mit einzusteigen und damit die historischen und methodischen Fundamente der eigenen wissenschaftlichen Praxis besser kennenzulernen. Die Lektüre und Analyse der wichtigsten Quellenschriften gehört somit zu den Aufgaben der Seminarteilnehmer/innen. Seitenblicke gelten den literarischen Verbindungen der frühen Kunstgeschichte sowie ihren Wechselbeziehungen mit der Philosophie und den Naturwissenschaften. Auf diesem gesamten Feld gibt es noch viele wenig erschlossene Werke und Forschungsfragen, die hervorragende Perspektiven für zukünftige Masterarbeiten und Dissertationen bieten.

Die Werke der frühen deutschen Kunsthistoriografie stehen nicht für sich allein, sondern sind in die großen politischen Umwälzungen ihrer Epoche eingebunden, so dass die Fragen des regionalen, nationalen, europäischen und sogar globalen Bezugsrahmens der bildenden Künste und Architektur stets eine große Rolle spielen. Unter diesem Aspekt soll die große Exkursion dieses Jahres der Forschungsreise Karl Schnaases durch Holland und Belgien im Revolutionsjahr 1830 (und Burckhardts Belgienreise von 1841) folgen, die das Material für Schnaases grundlegendes Frühwerk Niederländische Briefe (1834) lieferte. Einbezogen wird darin auch das Rheinland, das in den Fragen der nationalen Zuordnung der deutschen Kunst stets eine besondere Rolle spielte. 

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