Seminar: Écocritique / écopoétique: Natur und Umwelt in den französischsprachigen Kulturen seit dem

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TU Dresden | Wintersemester 2021 / 2022 Écocritique / écopoétique: Natur und Umwelt in den französischsprachigen Kulturen seit dem 16. Jh.

Écocritique / écopoétique: Natur und Umwelt in den französischsprachigen Kulturen seit dem 16. Jh.

HS/S [BA 2./3. J., MA, LA 2.-5. J., Ergänzungsbereich]

Di (4), GER/0039 (sofern möglich als Präsenzkurs, sonst online bzw. hybrid)

 

Die Konzepte „écocritique“ und „écopoétique“ bezeichnen im französischsprachigen Kontext ein jüngeres literatur- und kulturwissenschaftliches Forschungsfeld. Es widmet sich literarischen Texten (und weiteren künstlerischen Medien wie Filmen oder Bildern), die das Verhältnis zwischen Mensch und Natur bzw. Umwelt reflektieren und kritisch analysieren. Im Rahmen dieses Ansatzes fokussiert das Seminar zwei Dimensionen des Denkens von Natur und Umwelt in den französischsprachigen Kulturen. Einmal eine diachrone, in der wichtige Entwicklungsetappen dieses Denkens seit dem 16. Jh. anhand von exemplarischen Fallstudien zu literarischen und wissensgeschichtlichen Texten herausgearbeitet werden: von der Neubestimmung der Mensch-Natur Beziehung in der Frühen Neuzeit über dem Einfluss der kolonialen Expansion auf das Naturverständnis, den Wandel des Wissenssystems im Zeitalter des Rationalismus, die klassische Klimatheorie, die Naturästhetik der Aufklärung und der Romantik bis hin zur Herausbildung des ökologischen Denkens im 19. und 20 Jh. (u.a. Jean de Léry, Montesquieu, Rousseau, Buffon, A. v. Humboldt, Reclus, Le Roy Ladurie). Der zweite, synchrone Seminarfokus richtet sich vor dem Hintergrund der historischen Dimension auf die Gegenwart. Gegenstand sind hier Fiktionen, in deren Zentrum eine kritische Reflektion der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt steht. Das Spektrum der zu analysierenden Quellen reicht von dystopischer Science-Fiction (Damasio 2019) über utopische Entwürfe (Roudaut 2020) bis hin zu Evasionsfiktionen (Le Clézio 1997, Tesson 2019), realistischen Gegenwartsanalysen (Kerangal 2010) und Projektionen von kulturellen Identitäten auf Landschaften in frankophonen Räumen (Glissant). Neben literarischen Erzählungen sollen in einer transmedialen Perspektive Graphic novels (Pignocchi 2018 ff.) und Filme (Jacquet 2012) thematisiert werden. Aktuelle theoretische Reflexionen zu Konzepten wie dem „Anthropozän“, zur Umweltzerstörung und zu einem neuen ökologischen Bewusstsein ergänzen das Panorama (Latour, Serres, Rabhi, Hallé, Morin). Die Verbindung von historischen Entwicklungen und Gegenwartsanalysen soll ein vertieftes Verständnis für Genealogien, Kontinuitäten und Brüche im aktuellen Natur- und Umweltdenken ermöglichen. Zu erkennen, dass französischen und frankophonen Beiträgen zu diesen fraglos transkulturell zirkulierenden Diskussionen ein besonderes Gewicht zukommt, ist ein weiteres Arbeitsziel des Seminars. Mögliche Prüfungsleistungen: mündliche oder schriftliche Seminarbeiträge entsprechend jeweiliger Studienordnung. Zur Vorbereitung empfohlen: S. Buekens (2019), „L’écopoétique: une nouvelle approche de la littérature française“, in: Études de la littérature française des XXe et XXIe siècles, 8/2019. [https://journals.openedition.org/elfe/1299]; A. Choné (2019), „Ecocriticism/écocritique im deutschen und französischen Kontext: eine vergleichende Perspektive“, in: Revue d’Allemagne et des pays de langue allemande, 51-2/2019, 321-341 [https://journals.openedition.org/allemagne/1975#tocto2n1].
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