Christliche und islamische Architektur in Spanien - Mittelalter und beginnende Neuzeit_Karge

TU Dresden | Sommersemester 2022

Christliche und islamische Architektur in Spanien - Mittelalter und beginnende Neuzeit_Karge

Christliche und islamische Architektur in Spanien - Mittelalter und beginnende Neuzeit_Karge

 

Die Dualität der mittelalterlichen Kunst des Mittelmeerraums, die durch das Gegen- wie Miteinander von christlicher und islamischer Kultur bestimmt war, hat kein anderes Land so tiefgreifend geprägt wie Spanien. Von der arabischen Eroberung der Iberischen Halbinsel 711 bis zur Kapitulation des letzten islamischen Sultanats Granada 1492 – im Jahr der spanischen Entdeckung Amerikas – bildeten die Muslime einen konstitutiven Bestandteil der spanischen Kultur. Dass dies im Nachhinein im christlich-nationalen Sinn als „Reconquista“ gedeutet wurde, wird der Realität des Mittelalters in keiner Weise gerecht. Über viele Jahrhunderte beeinflussten sich die christliche und die islamische Kultur in Spanien gegenseitig, zugleich grenzten sie sich aber auch voneinander ab – ein faszinierendes Wechselspiel, das zu künstlerischen Produktionen höchster Qualität geführt hat.

Einen solchen Kontrast bilden die großen Moscheen von Córdoba und Sevilla auf der einen Seite, die im Kontext der islamischen Bautraditionen behandelt werden, und die Kathedrale von Santiago de Compostela als Ziel des Jakobsweges auf der anderen Seite, in der die europäischen Verbindungen des christlichen Nordens besonders anschaulich werden. Schwerpunkte bilden auch die großen gotischen Kathedralen von Burgos, Toledo und León sowie die besondere Baukultur Kataloniens. Der fruchtbarste Dialog zwischen islamischer und christlicher Kultur fand im Spätmittelalter statt – hier stehen die Alhambra in Granada und der kastilische Königspalast in Sevilla im Mittelpunkt. Den Abschluss der Vorlesung bildet die Renaissancearchitektur der Weltmacht Spanien im 16. Jahrhundert – mit dem Escorial als zentralem Monument, dessen Nachwirkung bis nach Dresden reichte. An mehreren Stellen der Vorlesung werden aktuelle Forschungsergebnisse einbezogen.
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