OPEN LAB: Methoden und Tipps
Betreuen von Studierenden im Labor
Arbeitspakete
Wie strukturiere ich die Betreuung der Studierenden?
Verteile Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung auf mehrere Arbeitspakete!
Klassischerweise wird ein Laborexperiment als Ganzes in drei aufeinander folgende Phasen eingeteilt:
- Vorbereitung (Problemanalyse, Versuchsplanung, Vorbesprechung, Belehrungen)
- Durchführung (Laborphase, praktische Durchführung des Experiments, Dokumentation der Ergebnisse)
- Nachbereitung (Nachbesprechung, Versuchsbewertung, Evaluation)
Wenn es sich jedoch um ein komplexes Experiment handelt und die Studierenden nicht mit den Labor-Abläufen vertraut sind, ist die Einteilung mitunter zu grob. Alternativ schlage ich vor, die drei Phasen aufzusplitten und auf mehrere Arbeitspakete zu verteilen. Ein Arbeitspaket stellt dabei einen experimentellen Teilschritt dar, welcher direkt vor seiner Durchführung vorbereitet und direkt im Anschluss nachbesprochen wird. Oftmals absolvieren Studierende ein Praktikum ja nur einmal. Das heißt es ist immer das erste Mal und Unsicherheiten lassen sich nicht verhindern. Die Menge an neuen Informationen und Eindrücken ist enorm. Die in jedem Arbeitspaket integrierte Vorbereitung und Nachbereitung bietet eine Orientierung im Verlauf des Experiments. Hier werden punktgenau die Informationen gegeben, die benötigt werden, Probleme diskutiert und Arbeitsstände kontrolliert. Außerdem kommen hier die Studierenden zusammen. So ergeben sich Ankerpunkte für die Integration aktivierender Methoden, zur Motivation der Studierenden und zur spezifischen Lenkung der Aufmerksamkeit (z.B. auf Sicherheitsregeln oder den Beobachtungs-Fokus).
Je nach Umfang des Experimentes und Kompetenz der Studierenden, sollte jedes Arbeitspaket zwischen 30 min und einen halben Labortag lang sein. Die Anzahl der Arbeitspakete legst Du selber fest. Wenn Du unsicher bist, wähle lieber mehr Pakete.
Vorteile:
1. Arbeitspakete schaffen Struktur und Sicherheit
2. Information wird genau dann gegeben, wenn sie gebraucht wird
3. Ankerpunkte für eine Aktivierung der Studierenden werden geschaffen
4. Verzögerungen und Fehler bei der Durchführung werden zeitnah entdeckt
5. zeitliche Synchronität beim Arbeiten der Studierenden wird begünstigt
Meine Erfahrung beim Versuch Immunfluoreszenz aus dem Praktikum Molekulare Zellbiologie im Masterstudium Biologie
Dieser Versuch taucht bereits als Beispiel beim Artikel Anmoderation auf. Es handelt sich um den Nachweis spezifischer Antigene auf Gewebepräparaten. Ich betreute ihn in der Vergangenheit, wobei die Studierenden bereits mit grundlegenden Techniken, wie Pipettieren und dem Herstellen von Pufferlösungen vertraut waren. Sie kannten jedoch das spezifische Labor noch nicht. Ursprünglich wurde alles klassisch in die drei Phasen eingeteilt:
- Vorbereitungsphase: Versuchsablauf, Versuchsziel sowie Laborregeln wurden mit den Studierenden besprochen, Arbeitsschutz- und Sicherheitsbelehrung, es wurde beschrieben, wo alle Geräte, Materialien, Chemikalien und Substanzen zu finden sind
- Durchführungsphase: die Studierenden sollten den Versuch selbstständig durchführen - mithilfe des Versuchsprotokolls, es bestand die Möglichkeit sich bei Fragen und Unsicherheiten an mich zu wenden
- Nachbereitungsphase: Kontrolle und Besprechung der Ergebnisse sowie eine Diskussion möglicher Interpretationsarten, am Ende gab es eine kurze Zusammenfassung von Versuchsablauf und den erzielten Ergebnissen
Während der Durchführungsphase traten bei den Studierenden viele Unsicherheiten zu Tage. Sehr oft ergaben sich Fragen oder Bitten an mich. Sie wollten beispielsweise wissen, wo spezielle Arbeitsmaterialien zu finden sind oder wie das Protokoll zu verstehen ist. Das wirklich selbstständige Arbeiten wurde nicht erreicht. Die Nachbereitungsphase am Ende kam außerdem zu kurz: die Probleme bei der Durchführung waren teils bereits vergessen und die Studierenden wollten eigentlich nur noch schnell fertig werden. Darum habe ich den Versuch in Arbeitspakete untergliedert, welche die aufeinander folgenden experimentellen Teilschritte darstellen (siehe Tabelle unten). Anfangs war es ungewohnt für jeden dieser Teilschritte eine Vorbereitungs- und Nachbereitungsphase durchzuführen, aber während der praktischen Durchführung arbeiteten die Studierenden selbstständiger im Vergleich zu vorher. Die neue Struktur brachte einen ruhigeren, strukturierteren Ablauf mit sich.
Julia Franke 2023

