S: Science Business - 'Ökonomisierung' von Wissenschaft als Phänomen der Zeitgeschichte (Di. 4. DS)
Neuere und Neueste Geschichte
Aron Schulze
Seminar (neue + alte SO) / Proseminar (alte SO): Science Business - 'Ökonomisierung' von Wissenschaft und Forschung als Phänomen der Zeitgeschichte (1960er-2000er)
Ort: HSZ/E03/U, Zeit: Dienstag, 4. DS (13.00-14.30 Uhr)
Einschreibung: 8. April 2026, 9.30 Uhr
Verwendbar für:
Bachelor (neue SO): PHF-BA-HIST-GVNZ
Bachelor (alte SO): Hist AM 2, Hist GM 1
Lehramt (neue SO): PHF-SEBS-HIST-GVNZ, PHF-SEOS-HIST-GVNZ, PHF-SEGY-HIST-GVNZ
Lehramt (alte SO): PHF-SEMS-Hist-NGZG, PHF-SEMS-Hist-NG, PHF-SEGY-Hist-NGZG, PHF-SEGY-Hist-NG, PHF-SEBS-Hist-NGZG, PHF-SEBS-Hist-NG
Beschreibung:
Mit dem Aufstieg der sogenannten „Wissens- und Informationsgesellschaft“ in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandelte sich das Verhältnis von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend. Nachdem mit der „Verwissenschaftlichung des Sozialen“ (Lutz Raphael) bereits im 19. Jahrhundert die Bedeutung von wissenschaftlichem Wissen für den Staat zugenommen hatte, gewannen seit den 1960er-Jahren auch die Natur- und Technikwissenschaften weiter an politischer Relevanz, um die Entwicklung vielversprechender „Zukunftstechnologien“ wie der Kommunikationstechnik oder der Mikroelektronik zu fördern. In diesem Zusammenhang diskutierten Politiker darüber, wie wissenschaftliche Forschungsergebnisse gezielt zu einem Aufstieg der Wirtschaft beitragen könnten. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges ist jedoch zu unterscheiden zwischen den westlichen Ländern, die stärker auf eine „Vermarktlichung“ von Wissenschaft und Hochschulen durch Wettbewerb setzten, und den realsozialistischen Staaten, die über verordnete Kooperationsbeziehungen zwischen Industrie und Forschungseinrichtungen eine „Ökonomisierung“ der Wissenschaft staatlich steuerten. Mit Blick auf die jüngere Zeitgeschichte haben sich seit 1990 Wettbewerbsmechanismen im Wissenschaftssystem etabliert, die eine zunehmende Betonung von Kennziffern (Publikationszahlen, Patenten etc.) sowie Drittmitteln für die Forschung erforderten. Instrumente wie die Exzelleninitiative können als Ergebnis dieser Entwicklung angesehen werden. Auch wurden wissenschaftliche Einrichtungen seit den 1990er-Jahren verstärkt auf unternehmerische Prinzipien wie das "New Public Management" ausgerichtet.
Im Seminar historisieren wir diesen Prozess und fragen nach Entwicklungen im deutschen, europäischen und US-amerikanischen Wissenschaftssystem zwischen 1960 und 2000. Dabei wollen wir zunächst grundlegende Begriffe wie „Wissensgesellschaft“ und „Ökonomisierung“ klären, um anschließend konkrete Fallbeispiele aus Ost & West in den Blick zu nehmen.
Von den Teilnehmenden wird eine hohe Bereitschaft erwartet, sich in fachwissenschaftliche Texte einzuarbeiten, diese vor- und aufzubereiten und im Rahmen der Seminararbeit eine eigene Archivrecherche (z.B. im Universitätsarchiv Dresden) durchzuführen.