S: Politische Kommunikation in sozialen Medien – SoSe 2026

TU Dresden | Summer semester 2026 S: Politische Kommunikation in sozialen Medien – SoSe 2026

Soziale Medien haben die politische Kommunikation grundlegend verändert. Dies gilt sowohl für Transformationen bezogen auf die „rein kommunikativen“ Aspekte, die in der Medienwissenschaft behandelt werden, als auch mit Blick auf Umwälzungen in der öffentlichen Legitimation politischer Entscheidungen, die Gegenstand der Politikwissenschaft sind. In international vergleichender Perspektive lassen sich dabei signifikante Unterschiede, teils aber auch auffallende Ähnlichkeiten in der Handhabung strategisch motivierter Online-Interaktionen aufseiten von Politikern und privaten Nutzern sozialer Netzwerke feststellen.
Ausgehend von einer Analyse der gewandelten Funktionen politischer Öffentlichkeit zunächst im elektronischen und später im digitalen Zeitalter, diskutieren wir die widerstreitenden Logiken medialer und plattformzentrierter Kommunikation. Anschließend geht es um die spezifischen Dynamiken von Internet-Wahlkämpfen, Kampagnen und Protestformen im Social Web. Auch die Motivationen, Ziele und Strategien exekutiver politischer Akteure scheinen hier bei näherer Betrachtung anderen Kalkülen und Einstellungen zu unterliegen als in der traditionellen politischen Kommunikation. Welche Erklärungsmodelle wurden dazu bereits entwickelt – und warum variieren empirische Resultate oft je nach nationalstaatlichem oder thematischem Kontext?
Schließlich beschäftigen wir uns mit der Frage, ob mehr kommunikative Beteiligung über Social Media tatsächlich zu mehr politischer Mitsprache und Transparenz führt. Es gibt Hinweise darauf, dass unter bestimmten Umständen eher das Gegenteil zutrifft, wenn Phänomene wie selektive Wahrnehmung, strategisches Framing und Filterblasen-Effekte Debattenräume verengen statt erweitern. Das Seminar endet mit einer Diskussion der methodischen Instrumente, die bei der sozialwissenschaftlichen Untersuchung digitaler politischer Kommunikation zum Einsatz kommen. Die Teilnehmenden sind so auf der Basis eines kritischen Verständnisses der wichtigsten Befunde und Analysetechniken in der Lage, eigene Forschungsfragen zu bearbeiten.


Allgemeine und einführende Literatur zur Vorbereitung
Castells, M. (2007): ‘Communication, Power and Counter-Power in the Network Society.’ In: International Journal of Communication, 1, S. 238-266.Ignatow, G., und Mihalcea, R. (2017): Text Mining. A Guidebook for the Social Sciences. Thousand Oaks: Sage.
Kenski, K., und Jamieson, K.H. (Hrsg.) (2019): The Oxford Handbook of Political Communication. Oxford: Oxford University Press.
Kreps, S. (2020): Social Media and International Relations. Cambridge/New York: Cambridge University Press.

Reuters Institute for the Study of Journalism (2025): Digital News Report 2025.
<https://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/digital-news-report/2025>.

Strömbäck, J. (2011): ‘Mediatization of Politics. Toward a Conceptual Framework for Comparative Research.’ In: Bucy, E.P., und Holbert, R.L. (Hrsg.), The Sourcebook for Political Communication Research. Methods, Measures, and Analytical Techniques. New York/Abingdon: Routledge, S. 367-382.

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