Mehr als „Romanik“: Baukulturen im hochmittelalterlichen Europa zwischen Andalusien und der Rus_Pro
Europa im Hochmittelalter: Das war ein Kontinent im Aufbruch. Große Teile Kerneuropas waren geprägt durch demografisches und ökonomisches Wachstum, eine Renaissance der städtischen Kultur und das Aufblühen der Wissenschaften. An den Rändern Europas wiederum etablierten sich neben den muslimischen Reichen in Al-Andalus viele neue christliche Königreiche und Fürstentümer, von Sizilien über Norwegen und Polen bis zur Kiewer Rus. Das aufblühende Pilgerwesen und die neugegründeten Klosterverbände sorgten für eine zunehmende Mobilität und Vernetzung innerhalb Europas, während Reconquista und Kreuzzüge neben schlimmen Verheerungen auch neue Erfahrungen und Perspektiven brachten. All diese Entwicklungen schlugen sich auch im Bauwesen nieder: in Zahl und Größe der neu errichteten Kirchen, im gestiegenen technischen und gestalterischen Aufwand, in weitreichenden, zum Teil auch interkulturellen Austausch- und Transferprozessen. Ziel des Seminars ist es daher, die facettenreichen Baukulturen im hochmittelalterlichen Europa kennenzulernen, wobei insbesondere der Frage nach Akteuren, Wegen und Prozessen des kulturellen Austauschs innerhalb Europas (und punktuell auch darüber hinaus) besondere Aufmerksamkeit gilt – einer Frage, die sich etwa beim Blick auf die mediterrane Metropole Palermo, einem muslimisch-byzantinisch-normannischen melting pot, geradezu aufdrängt, sich aber auch an vielen anderen Orten Europas zwischen Andalusien und der Rus stellt.