Platon, „Gorgias“
Platons Dialog „Gorgias“ verhandelt vordergründig die Bestimmung der Redekunst (Rhetorik) und ihrer Rolle im gesellschaftlichen Leben Athens. In einer Demokratie hat die politische Rede jedoch eine besondere Rolle, um gesellschaftliche Stimmungen zu erzeugen, Konsens oder Dissens herzustellen – in ihr konzentriert sich politische Macht. Auf diesem Wege gelangt Platon zu zentralen Fragen, die auf das politische und tugendhafte Leben insgesamt ausgreifen. Sie betreffen das Verhältnis von Überredung und rationaler Überzeugung, individuellem Lustgewinn und Gemeinwohl sowie Macht und Gerechtigkeit. Diese Themen und ihre Verbindung in einer Lehre von der geordneten Seele machen den „Gorgias“ nicht zuletzt zu einem wichtigen Vorläufer der „Politeia“. Das inhaltliche Hauptziel des Seminars ist es, Platons Gerechtigkeitskonzeption herauszuarbeiten und der ihr zugrundeliegenden Verzahnung politischer, ethischer und metaphysischer Annahmen nachzugehen. Methodisches Ziel ist das Einüben der Techniken des close reading und der rekonstruktiven Argumentanalyse. Textgrundlage des Seminars ist die zweisprachige Reclam-Ausgabe des Dialogs (Leipzig 2011, hrsg. u. übers. v. Michael Erler).