UTOPIE REAL#2_*NEUE STANDARDS
Der Entwurfskurs „UTOPIE REAL #2_NEUE STANDARDS“ entsteht als Kooperationsprojekt mit dem Studentenwerk Dresden und widmet sich einem realen Standort. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines zukunftsfähigen Studierendenhauses, das neue Standards für studentisches Wohnen formuliert. Wie kann zeitgenössisches studentisches Wohnen aussehen, wenn Flexibilität, Modularität, Ressourcenschonung, Energieautarkie und veränderte Lebensrealitäten nicht als Zusatz, sondern als grundlegende Entwurfsparameter verstanden werden?
Studierende bilden eine Nutzergruppe mit besonders dynamischen Anforderungen an Wohnraum: kurze Verweildauern, wechselnde Wohngemeinschaften, schwankende Budgets sowie ein hoher Bedarf an Gemeinschaft bei gleichzeitigem Wunsch nach Rückzug. Gerade deshalb eignet sich das Studierendenhaus als Prototyp, um neue Standards für Wohnformen zu entwickeln, die weit über diese Zielgruppe hinaus Bedeutung besitzen. Untersucht werden räumliche, typologische und konstruktive Konzepte, die sich an veränderte gesellschaftliche und ökologische Rahmenbedingungen anpassen können.
Ausgangspunkt des Entwurfs ist das bestehende Studierendenwohnheim in der Marschnerstraße in Dresden. Im Gegensatz zu einer rein hypothetischen Entwurfsaufgabe wird im Rahmen der Semesterarbeit untersucht, ob und wie die entwickelten Konzepte perspektivisch umgesetzt werden könnten. Die Auseinandersetzung mit einem konkreten Ort und seinem baulichen Bestand – seiner Struktur, seinen Potenzialen und seinen Grenzen – verleiht der Aufgabe besondere Verbindlichkeit. Die Studierenden entwerfen nicht für einen abstrakten Kontext, sondern entwickeln Lösungen, die sich an realen räumlichen, konstruktiven und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen messen lassen.
NEUE STANDARDS beschreibt dabei weniger ein festgelegtes Ergebnis als eine entwerferische Haltung. Wohnen wird nicht als statische Aufgabe verstanden, sondern als offenes Forschungsfeld, in dem bestehende Konventionen hinterfragt und alternative Modelle entwickelt werden. Die Studierenden formulieren und überprüfen Hypothesen zu Modularität, Wohnformen, Energie, Konstruktion, Möblierung sowie zum Umgang mit dem vorhandenen Ort und seiner baulichen Struktur. Diese werden hinsichtlich ihrer räumlichen, funktionalen und konstruktiven Tragfähigkeit untersucht. Entwerfen wird damit selbst zur Forschungsmethode: Varianten, Vergleiche und iterative Weiterentwicklungen bilden die Grundlage, um neue Standards nicht nur zu entwerfen, sondern kritisch zu überprüfen und weiterzuentwickeln.
Der Entwurf versteht sich zugleich als Beitrag zur aktuellen Diskussion über den zukünftigen Umgang mit dem Gebäudebestand. In einem ersten Schritt ist zu untersuchen, inwieweit das bestehende Wohnheim als Ganzes oder in Teilen erhaltenswert ist und welche Potenziale oder Defizite sich daraus für die weitere Entwicklung ergeben. Auf Grundlage dieser Analyse entwickeln die Studierenden eigenständige Strategien, die vom sensiblen Weiterbauen im Bestand über hybride Konzepte aus Erhalt und Ergänzung bis hin zu einem vollständigen Neubau reichen können. Entscheidend ist, dass die gewählte Haltung aus der Analyse des Ortes und den formulierten Entwurfszielen nachvollziehbar abgeleitet wird.
Ziel des Entwurfskurses ist es, eine große Bandbreite unterschiedlicher Positionen und Lösungsansätze zu entwickeln. Unterschiedliche Haltungen zum Bestand – vom weitgehenden Erhalt über transformative Umbaukonzepte bis hin zum Neubau – sind ausdrücklich erwünscht und sollen dazu beitragen, die Potenziale des Ortes sowie zukünftige Perspektiven studentischen Wohnens aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erforschen. Im Mittelpunkt steht nicht die Suche nach einer einzigen richtigen Lösung, sondern die Entwicklung und Diskussion unterschiedlicher Vorstellungen davon, was NEUE STANDARDS für das studentische Wohnen bedeuten können.