Sprache und Geschlecht

TU Dresden | Wintersemester 2015 / 2016 Sprache und Geschlecht

Der Triumphzug der Gender Studies machte auch vor der Linguistik nicht halt: Nach den stürmischen, feministisch geprägten Anfangsjahren und den schweren ideologischen Grabenkämpfen in der zweiten Hälfte der 1970er erfolgte in den darauffolgenden Jahrzehnten eine wissenschaftliche Ausdifferenzierung des Untersuchungsgebiets Sprache und Geschlecht zu einer paradigmatischen soziolinguistischen Teildisziplin – davon zeugen nicht zuletzt die zahlreich neuveröffentlichten Einführungs- und Sammelbände zu genderlinguistischen Themen sowie das in den letzten Jahren deutlich gestiegene mediale und gesellschaftliche Interesse an Fragen zu geschlechtergerechten sprachlichen Formulierungen. Vor allem in Anbetracht der Diskreditierung der akademischen Geschlechterforschung aus konservativen, antifeministischen und populistischen Kreisen (Stichwort: Genderwahn) ist eine fundierte Kenntnis von zentralen gendertheoretischen Konzepten auch für angehende Sprach- und Kulturwissenschaftler_innen unentbehrlich geworden. Im Seminar sollen nach einer einleitenden Erörterung von Grundbegriffen der Geschlechterforschung Fragen zu Sprachsystem (Zusammenhang von Genus und Sexus; generisches Maskulinum/Femininum; Anredeformen/Personenbezeichnungen) und zur Pragmatik (geschlechtsspezifischer Sprachgebrauch und unterschiedliche Kommunikationsstile; Sprache in Institutionen, Medien und Korpora; Genderstereotype in Erzählungen, Sprichwörtern, Witzen und Phraseologismen) diskutiert werden. Um ein vertieftes Verständnis zum Zusammenhang zwischen Sprechen, Handeln und Wirklichkeit zu erlangen, werden wir uns zudem mit anthropologischen, performativen und (de-)konstruktivistischen Theorien beschäftigen und einen sprachwissenschaftlichen Ausblick auf zeitgenössische Debatten zu Intersektionalität, Transhumanismus und Postkolonialismus wagen.

Zur Einführung empfohlen: Ruth Ayaß (2008): Kommunikation und Geschlecht. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer

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