SS 26_Jüdische Literaturen im postkommunistischen Osteuropa
Mittwoch, 13:00-14:30, BSS/0109
Wir werden in dieser Lehrveranstaltung Prosawerke einiger bedeutender jüdischer AutorInnen aus dem osteuropäischen Raum nach dem Fall des Kommunismus analysieren. Vielen von ihnen ist eines gemeinsam: die Reflexion der osteuropäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts mit ihren Schlüsselereignissen, die einen entscheidenden und oft tragischen Einfluss auf das Leben der JudInnen nahmen – des Kriegs und des Holocaust, des Kommunismus und der Emigration. Die Zerstörung/Überwindung der traditionellen jüdischen Lebensweise in den Schtetls, die Shoah und die Suche nach neuen Identitäten im kommunistischen Osteuropa sowie in der Emigration in Israel, Amerikas und Westeuropa sollen den Mittelpunkt der Diskussion bilden. Die Beschäftigung mit dem Schaffen dieser AutorInnen gewährt jedoch zugleich einen differenzierten Einblick ins jüdische Leben in Osteuropa. Unser Hauptaugenmerk wird auf die Konzepte der Erinnerung sowie auf die Konstruktion des Eigenen und des Fremden im literarischen Werk gerichtet: zwei für die jüdische Kultur paradigmatische Perspektiven. In diesem Sinne werden wir uns bei der Textanalyse auf die theoretischen Ansätze der Gedächtnisforschung stützen. In Zusammenhang mit der Interpretation der jüdischen Literaturen werden kulturwissenschaftlich die für das osteuropäische Judentum zentralen Topoi erschlossen: Schtetl, Ghetto, Luftmenschen, Chassiden, Jiddisch, Exodus u.a.