Ostdeutschland als umkämpftes Deutungsfeld
| Dozent: | Dr. Anne-Kathrin Hoklas |
| Zeit: |
Do (4) |
| Ort: | ABS/06-018 |
Kursbeschreibung:
Die ostdeutsche Transformation ist nicht vorbei – sie ist selbst in Bewegung, ein gesellschaftlicher Umbruch im Umbruch. Während die Wiedervereinigung lange als abgeschlossen galt und Ostdeutschland oft als ›aufholend‹ oder als ›erledigte‹ Transformationsgeschichte betrachtet wurde, zeigt sich zunehmend, dass dieser Umbruch vielmehr ein andauernder gesellschaftlicher Aushandlungsprozess ist. Gegenwärtig erleben wir eine Phase, in der nicht nur die Folgen der Transformation, sondern auch ihre Deutungen selbst umkämpft sind – mit neuen Stimmen, Perspektiven und Konflikten. An dieser Dynamik setzt das Seminar an: Es fragt danach, wie sich die Deutung der ostdeutschen Transformation verändert, welche gesellschaftlichen Folgen diese Neuverhandlung hat und welche Kontinuitäten und Brüche sich dabei abzeichnen.
Wir setzen uns einerseits mit öffentlichkeitswirksamen Positionen im Deutungsfeld (Oschmann 2023, Kowalczuk 2024, Mau 2024) auseinander und fragen andererseits mithilfe verschiedener theoretischer Ansätze (u.a. gedächtnissoziologische, diskursanalytische und postkoloniale Perspektiven), wie solche Deutungen entstehen, wirken und weitergegeben werden.
Das Seminar lädt dazu ein, die unterschiedlichen Perspektiven auf die Transformation Ostdeutschlands kritisch zu analysieren: Welche Narrative haben sich durchgesetzt? Welche Perspektiven wurden marginalisiert? Dabei fragen wir auch danach, aus welchen gesellschaftlichen Positionierungen heraus bestimmte Deutungen formuliert wurden und welche Wahrnehmungen und Erfahrungen diesen zugrunde liegen. So wird deutlich, dass die Transformation nicht nur eine wirtschaftliche oder politische Anpassung bedeutete, sondern eine tiefgreifende kulturelle Neuordnung, die Ostdeutschland bis heute als spezifischen Erfahrungsraum prägt.
Bitte richten Sie Fragen zur Technik des OPAL-Kurses an IfS OPAL (ifsopal@tu-dresden.de). Inhaltliche Fragen können von den zuständigen Dozierenden beantwortet werden.