HS: Mätressen am sächsischen Hof der Frühen Neuzeit (Di., 6. DS)
Geschichte der Frühen Neuzeit / Geschichte der Neuzeit (16.–19. Jh.) / Sächsische Landesgeschichte
Prof. Dr. Andreas Rutz
Hauptseminar: Nur Kabale und Liebe? Mätressen am sächsischen Hof der Frühen Neuzeit
Ort: SE1/0101, Zeit: Di., 6. Doppelstunde (16:40 – 18:10 Uhr)
Mätressen sind das wohl bekannteste und am häufigsten missverstandene Phänomen der frühneuzeitlichen höfischen Kultur. Ihre Rolle wird in der populären Wahrnehmung in der Regel auf die der fürstlichen Geliebten reduziert, im Mittelpunkt des Interesses stehen amouröse Abenteuer und höfische Intrigen. Die Forschung hat sich in den letzten Jahren intensiver mit den betreffenden Frauen befasst. Sie hat gezeigt, dass Mätressen einen integralen Bestandteil der höfischen Gesellschaft darstellten und ihnen als ‚Favoritinnen‘ eine herausgehobene gesellschaftliche und politische Position zukam. Sie waren am Hof überaus präsent, verfügten über einen exklusiven Zugang zum Fürsten, konnten diesen für informelle Einflussnahmen nutzen, pflegten Netzwerke, betrieben Patronage- und Klientelpolitik, betätigten sich sozial-karitativ, um nur einige Schlagworte zu nennen.
Im Mittelpunkt des Seminars steht der Dresdner Hof der sächsischen Kurfürsten. Insbesondere August der Starke (reg. 1694–1733) ist für seine zahlreichen Mätressen bekannt, darunter so illustre Frauen wie Aurora von Königsmarck (1662–1728) und Constantia von Cosel (1680–1765). Neben dem Dresdner Hof sollen auch die höfische Kultur im Heiligen Römischen Reich insgesamt sowie das Vorbild des französischen Hofes in den Blick genommen werden. Ziel ist es, gemeinsam den Forschungsstand zu erarbeiten und vor diesem Hintergrund ausgewählte Quellen zum Thema zu diskutieren.
Einführende Literatur
Göse, Frank: Vom Aufstieg und Fall einer Favoritin. Die Gräfin Cosel, in: Kaiser, Michael / Peçar, Andreas (Hrsg.): Der zweite Mann im Staat. Oberste Amtsträger und Favoriten im Umkreis der Reichsfürsten in der Frühen Neuzeit (Zeitschrift für Historische Forschung. Beiheft 32), Berlin 2003, S. 101–121; Hohkamp, Michaela: Art. Mätresse, in: Enzyklopädie der Neuzeit, Bd. 8 (2008), Sp. 163–165; Pečar, Andreas: Strippenzieher im Verborgenen. Favoriten und Mätressen und die politischen Entscheidungsstrukturen an den Fürstenhöfen der Frühen Neuzeit, in: Huth, Volkhard (Hrsg.): Geheime Eliten? Bensheimer Gespräche 2010/11, Frankfurt a. M. 2014, S. 269–286; Maritz, Regine: The Duke’s Favourites. Towards a Gendered View of the Politics of Concubinage at the Early Modern Court, in: German History 37 (2019), S. 459–477; Firges, Pascal: Höfisches Mätressentum, Intimität und Patronage im Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts, in: Amsler, Nadine/Weber, Nadir (Hrsg.): Im Schatten der Macht. Subalterne Körper an frühneuzeitlichen Fürstenhöfen, Berlin 2024, S. 249–268.
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