Vorlesung „Menschen, Mächte, Märchen: Mythen der Antike“

TU Dresden | Wintersemester 2026 / 2027 Vorlesung „Menschen, Mächte, Märchen: Mythen der Antike“

Die antiken Mythen sind ganz besondere Erzählungen. Schaut man auf die Texte und Bilder, die uns aus der griechisch-römischen Antike erhalten sind, sind die Mythen scheinbar einfach da: Sie begegnen uns schon in den frühesten Texten, der Ilias und der Odyssee, und werden in allen Formen und Epochen der antiken Literatur ebenso weitergesponnen wie in den vielfältigen und faszinierenden Medien der Bildkunst, ohne dass wir sicher sagen könnten, wo genau ihr Ursprung liegt. Gleichzeitig macht jede einzelne Erzählung, jedes neue Aufgreifen und Anschließen an die mythische Tradition immer etwas ganz Eigenes aus diesen Geschichten. Die Mythen sind also zugleich gegeben und doch auch stets erfunden, und diese Kette des Weitergebens und Forterzählens reicht bist zu uns heute, die wir uns von diesen „Stories“ immer noch und immer wieder begeistern lassen.

Die Vorlesung wird dieses große Feld anschaulich erschließen, indem sie zwei Ziele verfolgt: Sie wird zum einen die bunte Vielfalt der antiken Mythen vorstellen, von den großen und bekannten Helden wie Herakles oder den Kämpfern des trojanischen Krieges bis hin zu viel weniger bekannten, vermeintlich „kleineren“ Figuren, die dennoch integraler Bestandteil des mythischen Kosmos sind. Dabei werden wir Wesen von unterschiedlichster Art – Menschen, Heroen, Götter, aber auch Tiere, Mischwesen usw. – kennenlernen, von ihrem Charakter und ihren Taten erfahren und nicht zuletzt ihre Partnerschaften und Verwandtschaftsbeziehungen erforschen, über die wie in einem riesigen Netz alle Figuren des Mythos miteinander verbunden sind. Zweitens geht die Vorlesung der Frage nach, wie und warum eigentlich in den konkreten Texten und Bildern Mythen erzählt werden: Wie „funktionieren“ zum Beispiel Bilddarstellungen des Trojanischen Krieges? Oder was bedeutet es, wenn Euripides aus dem Medea-Stoff eine Tragödie macht, und wie hat diese Version mit ihrer starken Protagonistin auf das antike Publikum gewirkt? Warum erzählt der Philosoph Platon eigentlich so viele Mythen, obwohl es doch im philosophischen Diskurs um das nüchterne Abwägen von Argumenten gehen sollte? Und was geschieht, wenn Ovid in seinen berühmten Metamorphosen eine gewaltige Zahl von einzelnen Mythen zu einem großen Epos verwebt? Anhand von solchen Fragen wird die Vorlesung ein ebenso eingehendes wie unterhaltsames Panorama des antiken Mythenerzählens von den frühesten Anfängen im archaischen Griechenland bis in die christliche Spätantike zeigen, in der es unter den Vorzeichen der neuen Religion zu besonders spannenden Transformationen der traditionellen Geschichten kommt.

Die Vorlesung steht allen Interessierten offen. Alle Texte werden übersetzt; Kenntnisse der altgriechischen oder lateinischen Sprache sind nicht erforderlich, um an der Vorlesung teilzunehmen.

Zeit und Ort: Mittwoch, 4. DS (=13:00–14:30 Uhr); Raum: POT/0351/U

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