HS: Frauen im DEFA-Film (Di., 6. DS)

TU Dresden | Wintersemester 2026 / 2027 HS: Frauen im DEFA-Film (Di., 6. DS)

Neuere und Neueste Geschichte / Zeitgeschichte / Sächsische Landesgeschichte

Prof. Dr. Andreas Rutz

Hauptseminar: Frauen im DEFA-Film

Ort: BZW/A251, Zeit: Dienstag, 6. DS (16:40–18:10 Uhr) + Kinoreihe in der SLUB ab 14. Oktober

Seit den 1970er-Jahren wurden in Kinofilmen der DDR alternative Lebensmodelle diskutiert. Sie zeigten gerade für Frauen andere, emanzipiertere Perspektiven auf. Ein Grund für diese auffällige Konzentration waren die Restriktionen der staatlichen Zensur- und Kulturpolitik der DDR: „Frauen durften immer ein bißchen verrückter, ein bißchen phantasievoller, ein bißchen ausgeflippter, ein bißchen ärmer, ein bißchen magerer, ein bißchen alles-ein-bißchen-mehr sein als Männer. Männern hat man es übler genommen, wenn sie nicht Helden waren, Frauen durften das eher“, so die Drehbuchautorin Regine Kühn im Rückblick. Zugleich spiegelt die Aufmerksamkeit für weibliche Lebensgeschichten eine größere Sensibilisierung für Fragen der Gleichberechtigung und Emanzipation, wie sie auch in der Bundesrepublik und anderen Ländern zu konstatieren ist. Im Filmschaffen der DDR waren es interessanterweise zunächst eher Männer, die den Blick auf den Alltag von Frauen warfen. In den 1980er-Jahren traten dann auch verschiedene Regisseurinnen und Drehbuchautorinnen auf, die mit ihren Filmen und Reportagen die Situation von Frauen kritisch reflektierten.

Das Hauptseminar nutzt die Filme als Quellen zur Geschlechtergeschichte der DDR, denn Filme sind ein „Spiegel der bestehenden Gesellschaft“, wie der Journalist und Filmtheoretiker Siegfried Kracauer bereits 1928 bemerkte. Sie können Aufschluss über die in einer Gesellschaft relevanten Diskurse und Praktiken geben, sind Teil zeitgenössischer Aushandlungs- und Aneignungsprozesse. Wie jede andere Quelle erfordern sie eine Interpretation, die in den historischen und hier auch den künstlerisch-filmischen Kontext eingebettet sein muss.

Im Seminar werden neben den Filmen vor allem Forschungsliteratur und zeitgenössische Quellen diskutiert. Parallel wird ab dem 14. Oktober im Klemperer-Saal die von ISGV und SLUB organisierte Filmreihe „SIE. Frauen im DDR-Film“ gezeigt, die es uns ermöglicht, verschiedene Filme auf der großen Leinwand zu sehen.

Zum Programm der Filmreihe: https://www.isgv.de/aktuelles/veranstaltungen/details/sie-frauen-im-ddr-film

Einführende Literatur
Frauenbilder in den DDR-Medien (Schriftenreihe Medienberatung 2), hrsg. v. der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 21997; Gräf, Christel: Waren Ostfrauen wirklich anders? Zur Darstellung von Frauen im DEFA-Gegenwartsfilm, in: Der geteilte Himmel. Höhepunkte des DEFA-Kinos 1946–1992, hrsg. v. Filmarchiv Austria, 2 Bde., Wien 2001, hier Bd. 2, S. 107-117; Kaminsky, Anna: Frauen in der DDR, Berlin 22017; Klauss, Cornelia / Schenk, Ralf (Hrsg.): Sie. Regisseurinnen der DEFA und ihre Filme, Berlin 2019.

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