Ikonizität aus der Perspektive der kognitiven Linguistik (Saccà)

TU Dresden | Wintersemester 2026 / 2027 Ikonizität aus der Perspektive der kognitiven Linguistik (Saccà)

von den Grundlagen der Semiotik bis zur Lautsymbolik

Das Seminar führt in die theoretischen Grundlagen der Semiotik ein. Ausgehend von den Zeichenmodellen Ferdinand de Saussures und Charles Sanders Peirces wird danach gefragt, was überhaupt unter einem Zeichen zu verstehen ist. Zugleich wird das Verhältnis von Arbitrarität und Motiviertheit sprachlicher Zeichen betrachtet und untersucht, wie sich die Beziehung zwischen Form und Bedeutung im Laufe der Sprachgeschichte durch Prozesse der Konventionalisierung verändern kann. Anschließend werden Zeichentypen – etwa Ikon, Index und Symbol – sowie ihre Erscheinungsformen in verschiedenen semiotischen Systemen untersucht.

 

Den Schwerpunkt des Seminars bildet jedoch das Phänomen der Ikonizität, also die motivierte Beziehung zwischen Form und Bedeutung, die auf Ähnlichkeit, Analogie oder struktureller Entsprechung zwischen beiden beruhen kann. Dabei wird untersucht, welche Rolle ikonische Strukturen bei der Organisation sprachlicher Systeme, bei Prozessen der Bedeutungsbildung sowie im frühen Spracherwerb spielen können. Die Auseinandersetzung mit der Ikonizität erfolgt insbesondere aus der Perspektive der kognitiven Linguistik, wobei der Lautsymbolik als einer zentralen Erscheinungsform sprachlicher Ikonizität besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem Konzepte wie Embodiment und Perception Theory sowie die Frage, welche Rolle körperliche Erfahrung, Wahrnehmung und kulturell geprägte Wissensstrukturen in den Prozessen der Semiose spielen. Die behandelten Themen werden sprachvergleichend anhand von Beispielen aus dem Italienischen, Französischen, Englischen und Deutschen untersucht.

Unter dem Begriff „Sprache“ wird häufig ein System verstanden, das auf einem relativ stabilen Repertoire an Elementen und Regeln beruht. Obwohl sich Sprachen kontinuierlich verändern, bleibt ein großer Teil dieses Repertoires über längere Zeiträume hinweg vergleichsweise konstant. Dies zeigt sich etwa am Wortschatz: während bestimmte Wörter außer Gebrauch geraten, kommen zugleich neue Wörter hinzu oder bestehende Wörter erhalten neue Bedeutungen – beispielsweise durch Neologismen, Entlehnungen oder Bedeutungswandel. Neben dieser relativen Stabilität zeichnet sich Sprache jedoch durch eine grundsätzlich offene Fähigkeit zur Bedeutungserzeugung aus. Sprachliche Elemente besitzen keine unter allen Umständen unveränderliche Bedeutung; gerade als Zeichen sind sprachliche Elemente in Prozesse der Interpretation, der Kontextualisierung und der Bedeutungsbildung eingebunden. Bedeutung entsteht vielmehr aus relationalen Zeichenprozessen und unter den jeweiligen Bedingungen ihrer Interpretation.

Wie wandelbar solche Zeichenbeziehungen sein können, lässt sich sowohl diachron innerhalb einer Sprache als auch synchron im Vergleich verschiedener Sprachen beobachten. So können sich die Bedeutung eines sprachlichen Zeichens und seine Gebrauchskontexte im Laufe der Zeit verändern; zugleich können formal ähnliche oder identische Zeichen in unterschiedlichen Sprachen mit ganz verschiedenen Bedeutungen verbunden sein. Zeichen, ihre unterschiedlichen Erscheinungsformen und die mit ihnen verbundenen Prozesse der Bedeutungsbildung (Semiose) sind der Gegenstand der Semiotik, die im Zentrum dieses Seminars steht.

Beginn: 15.10.2026
Zeit: 5. DS
Ort: BSS/0149

Lade Bewertungsübersicht
Lade Übersicht