WS 2026/27_Mi. 11:10 VL Slawische Literaturen in der Zeit der De-Stalinisierung
Die Vorlesung widmet sich den slawischen Literaturen in einer Phase politischer, gesellschaftlicher und ästhetischer Umbrüche, die mit Stalins Tod 1953 einsetzt und weit über den XX. Parteitag der KPdSU von 1956 hinausreicht. Die sogenannte „Tauwetter“-Periode eröffnete in der Sowjetunion und – unter jeweils unterschiedlichen politischen Bedingungen – auch in anderen sozialistischen Staaten Ostmitteleuropas neue Spielräume des Schreibens, Publizierens und kulturellen Austauschs. Zugleich blieben Zensur, ideologische Kontrolle und politische Repression bestehen, sodass sich literarische Innovation häufig in einem Spannungsfeld zwischen vorsichtiger Öffnung und fortdauernder Begrenzung entwickelte. Die Vorlesung untersucht, wie Schriftsteller auf diese widersprüchliche Situation reagierten und welche neuen Themen, Schreibweisen und Identitäten daraus hervorgingen. Im Zentrum stehen unter anderem die Auseinandersetzung mit dem Stalinismus und dem staatlichen Terror, die Wiederentdeckung individueller Erfahrung und Erinnerung, neue Formen von Subjektivität und Alltagsdarstellung sowie die Neubewertung von Krieg, Gewalt, Schuld und gesellschaftlicher Verantwortung.