Multimodale Kommunikation im Sprachvergleich (Saccà)

TU Dresden | Wintersemester 2026 / 2027 Multimodale Kommunikation im Sprachvergleich (Saccà)

Von analogen Medien bis zu KI-generierten Texten

Das Seminar führt zunächst in die theoretischen und methodischen Grundlagen der Multimodalitätsforschung ein und vermittelt die Mittel zur Beschreibung, Interpretation und Analyse multimodaler Texte. Dabei wird auch den Fragen nachgegangen, was überhaupt unter einem „multimodalen Text“ zu verstehen ist und warum sich der Begriff der „Multimodalität“ in den letzten Jahren als besonders produktiv für die sprachwissenschaftliche Analyse erwiesen hat. Im Anschluss werden multimodale Formen der Bedeutungsproduktion in vier zentralen Bereichen vergleichend untersucht: (1) Kunst und Literatur, (2) Werbung und Propaganda, (3) Kommunikation in sozialen Medien sowie (4) KI-generierte Texte. Dabei werden Beispiele aus dem Französischen, Italienischen, Deutschen und Englischen berücksichtigt, um sowohl sprach- und kulturspezifische Besonderheiten als auch übergreifende multimodale Strategien herauszuarbeiten.

Abschließend widmet sich der Kurs der Frage, welches Potenzial multimodale Texte für die Fremdsprachendidaktik und die barrierefreie Kommunikation besitzen. Diskutiert wird insbesondere, wie die Arbeit mit unterschiedlichen semiotischen Ressourcen das Text- und Medienverständnis, die kommunikative Kompetenz sowie die kritische Auseinandersetzung mit sprachlichen und visuellen Bedeutungsangeboten fördern kann.

Seitdem vom Begriff der Multimodalität die Rede ist, wird immer wieder die Frage gestellt, ob es überhaupt „nicht-multimodale“ Texte gibt. Denn sprachliche Zeichen treten in konkreten Kommunikationssituationen kaum isoliert auf. Die Konstruktion von Bedeutung erfolgt vielmehr häufig durch das Zusammenspiel verschiedener semiotischer Modi bzw. Ressourcen, zu denen Kress (2010) unter anderem Schrift, Bild, Layout, Gestik und Klang zählt. Gesprochene Sprache wird z.B. oft durch Intonation, Mimik, Gestik, Körperhaltung, usw. begleitet; geschriebene Sprache erscheint stets in einer materiell und visuell gestalteten Form, etwa hinsichtlich Typografie, Schriftgröße und -farbe sowie räumliche Anordnung. Diese unterschiedlichen Modi bzw. Ressourcen können als Ausdruck unterschiedlicher semiotischer Systeme verstanden werden, die sprach- und kulturbezogenen Konventionen folgen und auf jeweils spezifische Weise zur Bedeutungsbildung beitragen können.

Die Fähigkeit, solche multimodalen Bedeutungsangebote zu verstehen und kritisch zu analysieren, ist für die gegenwärtige Medien- und Kommunikationslandschaft von besonderer Bedeutung. Heutzutage verbinden Online-Zeitungsartikel sprachlichen Text beispielsweise mit Bildern, Grafiken oder Tabellen; Fernsehnachrichten kombinieren Bild, gesprochene Sprache, Schrift und Ton; Radiobeiträge arbeiten mit Stimme, Musik und Geräuschen; und insbesondere in sozialen Medien entstehen komplexe Verbindungen von Schrift, Bild, Video, Ton, Typografie und weiteren Ausdrucksformen. Multimodale Kommunikation erfordert daher eine Anpassung an neue Formen des Lesens, die über die Analyse verbaler Sprache hinausgehen und danach fragen, wie verschiedene semiotische Modi miteinander interagieren und gemeinsam Bedeutung hervorbringen.

Beginn: 15.10.2026
Uhrzeit: 3. DS
Ort: BSS/0149

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