Grab- und Trauerpflanzen auf Dresdner Friedhöfen
Annäherungen an die regionale Bestattungskultur
Der Umgang mit dem Tod gehört zu den existenziellen Themen der Menschen aller Epochen und Kulturen. Auf je eigene Weise reagieren sie mit religiös-weltanschaulichen Konzeptionen und Ritualen auf dessen Unabänderlichkeit. Besonders im westlichen Kulturkreis wird jedoch seit vielen Jahren immer wieder auf das Paradox hingewiesen, dass zwar durch die Präsenz Sterbender und Toter in den Medien eine zunehmende Veralltäglichung des Todes zu beobachten ist, diese aber eine allgemeine Unfähigkeit im Umgang mit der Thematik gerade nicht ausschließt.
Dieses Seminar widmet sich besonders der Grabgestaltung und -pflege auf den Friedhöfen. Es untersucht, welche Pflanzen damit verbunden sind und fragt, welche Vorstellungen von einem „schönen Grab“ damit verbunden sind und auf welche Vorstellungen vom Tod und Erinnerung sie letztlich verweisen. Das Seminar besteht aus einem Theorie- und Praxisteil. Zum Theorieteil gehören u.a. eine Einleitung in die Thematik, ein geschichtlicher Überblick über die Friedhofskultur im deutschsprachigen Raum, eine Auseinandersetzung mit dem Tod aus philosophisch-theologischer Perspektive sowie eine Einführung in den Umgang mit Trauernden. Im Praxisteil werden gemeinsam und selbstständig Dresdner Friedhöfe systematisch nach Grabbepflanzungen und floraler Grabsymbolik erforscht. In Interviews mit Angehörigen und Gärtnern sollen gestalterische Intentionen und Trends eruiert werden. Die Prüfungsleistung besteht in einer Präsentation der Ergebnisse im Kolloquium und einer kurzen schriftlichen Arbeit.
Seminarbegleitend wird ein Tutorium zur Unterstützung bei den Pflanzenbestimmungen und Vorbereitungen der Prüfungspräsentation angeboten.
Für eine Teilnahme ist kein besonderes Vorwissen erforderlich, wohl aber die Bereitschaft, sich auf die Thematik und die Menschen in den Interviews einzulassen. Grundkenntnisse in der Bestimmung der Pflanzen sind hilfreich.