S: Exil und Diaspora im Mittelalter (MI 4)
Lehrender: Dr. Stephan Bruhn (stephan.bruhn@geschichte.uni-freiburg.de)
Ort und Zeit: BZW/153, Mittwoch, 4. DS (13.00-14.30 Uhr)
Mittelalterliche Gesellschaften sind in vielerlei Hinsicht durch Migration und Mobilität geprägt gewesen. Nicht alle diese Ortswechsel erfolgten indes freiwillig. Ob Vertreibung, Verschleppung oder Flucht im Angesicht von Überfällen, Kriegen, Herrschaftswechseln oder klimatischen Veränderungen: Individuen wie Gruppen waren häufig dazu gezwungen, Heimat, Besitz und soziale Beziehungen hinter sich zu lassen, in andere Regionen überzusiedeln und in fremden Gesellschaften neu anzufangen. Im Seminar wollen wir uns intensiv mit den Ursachen und Folgen dieser temporären wie dauerhaften Migrationsbewegungen beschäftigen: Wie wurden Exil und Flucht wahrgenommen und bewertet, wie Disruption und Orientierungsverlust artikuliert und verarbeitet? Welche alten Beziehungen blieben bestehen und welche neuen Kontakte wurden geschlossen? Unter welchen Vorzeichen gelang Wiedervergemeinschaftung an fremden Orten? Diese und andere Fragen sollen anhand von Beispielen vornehmlich aus der Geschichte Westeuropas diskutiert werden. Die Bereitschaft zur intensiven Lektüre anspruchsvoller Quellen sowie theoretischer Texte wird dabei vorausgesetzt.
Einführende Literatur:
Rogers Brubaker, The ‘Diaspora’ Diaspora, in: Ethnic and Racial Studies 28/1 (2005), S. 1–19; Jenny Kuhlmann, Exil, Diaspora Transmigration, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 64/42 (2014), S. 9–15; Michael Borgolte (Hg.), Migrationen im Mittelalter. Ein Handbuch, Berlin/Boston 2014; Laura M. Napran, Introduction. Exile in Context, in: Dies. u. Elizabeth van Houts (Hg.), Exile in the Middle Ages, Turnhout 2004, S. 1–12; Barbara Schlieben, In Exilo. Innen-, Außen- und Zwischenansichten frühmittelalterlicher Exilanten, in: Saeculum 63 (2013), S. 189–203.
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