Seminar: Framesemantik
Das Seminar führt in die Framesemantik als kognitiv fundierte Bedeutungstheorie ein, wie sie von Charles Fillmore in den 1970er und 1980er Jahren begründet wurde, und untersucht ihre Anwendung in aktuellen linguistischen Fragestellungen. Ausgangspunkt ist die Grundannahme, dass die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke nicht isoliert, sondern relativ zu strukturierten Wissensrahmen, sogenannten Frames, verstanden werden muss. Im Zentrum stehen zunächst die theoretischen Grundlagen des Frame-Begriffs sowie seine Abgrenzung zu verwandten Konzepten wie Skripten und Schemata, bevor das Verhältnis von Framesemantik und Konstruktionsgrammatik, insbesondere die Frage des Frame-to-Form-Mapping, vertieft wird. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Unterscheidung lexikalischer und grammatischer Frames sowie auf der praktischen Arbeit mit der FrameNet-Datenbank als lexikografischem Ressourcenmodell, deren Aufbau und Annotationspraxis exemplarisch nachvollzogen werden. Darüber hinaus werden Anwendungsfelder der Framesemantik in der kontrastiven und typologischen Linguistik, der Metaphernanalyse, der Diskurslinguistik sowie in der Sprachdidaktik diskutiert, wobei stets auch die Grenzen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten des Frame-Konzepts kritisch reflektiert werden. Die Studierenden sollen am Ende des Seminars in der Lage sein, die theoretischen Grundannahmen der Framesemantik eigenständig darzustellen, Frame-Analysen an authentischem Sprachmaterial durchzuführen, mit der FrameNet-Datenbank zu recherchieren und zu annotieren sowie den Nutzen framesemantischer Ansätze für eigene Forschungsfragen, etwa im Bereich Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache, kritisch zu bewerten.