Bourdieus Theorie der Praxis WiSe 2026/27
Dozentin: Dr. Anne-Kathrin Hoklas
Zeit: Do (3)
Ort: ABS/6-08
Kursbeschreibung:
Pierre Bourdieu (1930-2002) sensibilisiert mit seiner Theorie der Praxis für das implizite, verkörperte Wissen der Handelnden und versteht den Körper als Ort, an dem sich soziale Erfahrung niederschlägt und im Handeln wirksam wird. Mit dem Begriff des Habitus will er die Gegenüberstellung subjektivistischer und objektivistischer Zugänge zur sozialen Welt überwinden und zeigt, wie soziale Strukturen einverleibt werden und als System dauerhafter Dispositionen das praktische Handeln hervorbringen, meist ohne dass es den Akteuren bewusst ist.
Das Seminar gliedert sich in drei Teile. Zunächst erarbeiten wir Bourdieus praxeologischen Ansatz und den Habitusbegriff. Im zweiten Teil geht es um die Konzepte Kapital, sozialer Raum und illusio sowie um die »Feinen Unterschiede« (1979, dt. 1982), in denen Bourdieu untersucht, wie der Geschmack soziale Position und Lebensstil miteinander vermittelt. Im dritten Teil befassen wir uns mit der Feldtheorie, dem Konzept der symbolischen Gewalt sowie der Frage nach der Reflexivität soziologischer Erkenntnis.
Den Schwerpunkt bildet die gemeinsame Lektüre und Diskussion ausgewählter Texte, ergänzt durch Material- und Werkstattsitzungen. Dabei beziehen wir Bourdieus Überlegungen immer wieder auf gegenwärtige gesellschaftliche Fragen und prüfen, was seine Begriffe für die Analyse heutiger Verhältnisse leisten. Bourdieu wird auch in der Vorlesung »Theorien der Gesellschaft und des Sozialen« vorgestellt.