Ü: Das Häuserbuch Dresden. Hilfswissenschaftliche und digitale Aufbereitung und Analyse historische
Dr. Katrin Moeller (MLU Halle-Wittenberg), Martin Munke M.A. (SLUB, TU Dresden)
Übung: Das Häuserbuch Dresden. Hilfswissenschaftliche und digitale Aufbereitung und Analyse historische Sozialdaten
(älterer Arbeitstitel, für Anmeldung der Prüfungsleistungen relevant: Bearbeitung wirtschaftshistorischer Fragestellungen mit DH-Methoden am Beispiel von Dresden)
Ort: online, Zeit: Montag, 2. Doppelstunde (9:20-10:50)
In den Jahren 1906 bis 1924 erarbeitete der Archivar Carl Hollstein das Historische Häuserbuch für den Bereich der ehemaligen Festung Dresden. Ausgehend von der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden dafür die Eigentümer der einzelnen Grundstücke und Häuser rückschreitend bis in das 16. Jahrhundert ermittelt. Grundlage hierfür bildeten ganz verschiedene Quellen (Geschossregister, Kontraktbücher über Kauf und Verkauf, Konsensbücher, Hypotheken, Zessionsbücher). Ergänzend zog Hollstein außerdem die im 18. Jahrhundert angelegten Grundregister heran, die als Vorläufer moderner Grundbücher die Eigentümer der Grundstücke und Häuser bereits nach einem topographischen Ordnungsprinzip aufführen.
Seine Ergebnisse hielt er in einer Sammlung von mehr als 20.000 Karten fest sowie in mehreren Bänden mit ergänzenden Angaben zur Immobilien- und Eigentümergeschichte. Diese Karteikarten wurden von Hilfskräften am Historischen Datenzentrum Sachsen-Anhalt digitalisiert und in Datenbanken erfasst. In der Übung wollen wir nun hilfswissenschaftliche und digitale Zugänge zum Material erarbeiten, um es historisch zu erschließen, anzureichern und für eine Analyse vorzubereiten. Dabei stehen sowohl methodische, digitale wie inhaltliche Fragestellungen im Raum, da eine Aufbereitung immer auch bereits die Analyse im Blick haben muss. Vor allem eignet sich das Häuserbuch zur räumlichen Visualisierung (mit dem Programm Qgis), was die Georeferenzierung bzw. Erschließung historischen Kartenmaterials einschließt. Sie werden im Seminar zentrale hilfswissenschaftliche Kompetenzen der Paläografie, Genealogie, Aktenkunde, Chronologie und Historischen Geographie anwenden oder erwerben können, indem Sie unter Anleitung eine digitale, webbasierte Umsetzung des Häuserbuches in ein Geo-Informationssystem mitbegleiten und in einem eigenen kleinen Projekt eine relevante inhaltliche Fragestellung analysieren. Dabei sollen methodische und inhaltliche Reflexion der Sozialtopografie, Sozialgeschichte und Stadtgeschichte eng miteinander verzahnt und die Auswertungsmöglichkeiten kritisch evaluiert werden. Dabei geht es um die gemeinsame Erstellung eines digitalen Angebots unter Beachtung moderner Datenstandards von Archiven, Bibliotheken und Museen, vor allem aber um eine gelungene Verbindung von fachwissenschaftlichen Fragestellungen mit Darstellungsformen der Public History und Digital History.
Achtung: Die Veranstaltung findet gemeinsam mit Studierenden der MLU Halle-Wittenberg unter Leitung von Dr. Katrin Moeller statt und wird daher als Onlineveranstaltung durchgeführt.
Einführende Literatur:
- Denecke, Dietrich: Soziale Strukturen im städtischen Raum: Entwicklung und Stand der sozialtopographischen Stadtgeschichte. In: Meinhardt, Matthias / Ranft, Andreas: Die Sozialstruktur und Sozialtopographie vorindustrieller Städte, Halle 2005, S. 123-137, https://doi.org/10.1515/9783050081953-008 (Zugang im IP-Bereich der SLUB).
Angeboten für folgende Module:
- GSW-MA-DH-WP-GG 2
- GSW-MA-DH-WP-GG 1
- PHF-SEBS-HIST-EWS
- PHF-SEGY-HIST-EWS
- PHF-BA-HIST-EWS
- PHF-BA-HIST-EWS