S: Einfach ist nicht leicht. Verständlichkeit zwischen den Fronten?
Willkommen auf der Opal-Seite zum Seminar: Einfach ist nicht leicht. Verständlichkeit zwischen den Fronten?
Dozentin: Dr. phil. Regina Bergmann
"Hiermit setze ich fest, dass Sie an den nachfolgend aufgeführten Anlagen das fachgerechte Ausführen der dort genannten Schornsteinfegerarbeiten innerhalb des hierfür angegebenen Zeitraums zu veranlassen und durchführen zu lassen haben.“ So lautet jedenfalls der erste Satz eines Feuerstättenbescheids, den Kund:innen zu bearbeiten haben, wenn sie einen Schornsteinfeger für entsprechende Arbeiten engagieren wollen. Hier braucht man wahrscheinlich wirklich auch noch etwas Glück. Komplizierte Dinge einfacher zu sagen, damit wird in der Öffentlichkeit oft geworben. Das ging im vorliegenden Fall einigermaßen schief. Medien bieten allerdings mittlerweile „Nachrichten leicht“ oder „Nachrichten in einfacher Sprache“ an und sorgen so schon für ein besseres Textverständnis. Parteien schreiben ihre Programme in einfacherem Deutsch oder in Leichter Sprache, einige Verwaltungen beginnen, Texte in leichter Sprache zu formulieren, in Museen stehen Führungen in einfacher bzw. leichter Sprache im Programm, mittlerweile gibt es Verlage, die Literatur in einfacher und leichter Sprache produzieren, einige Autor:innen verfassen Bücher in einfacher Sprache und Bibliotheken erweitern ihre Buchbestände in diesem Bereich in enormer Breite. Mit der Bereitstellung einfach formulierter Texte erhalten so nun auch Personengruppen Zugang zu Informationen und sogar zur schöngeistigen Literatur, die diesbezüglich bislang geringe Chancen hatten.
Das ist gleichzeitig auch ein Dilemma. Was „leicht“ oder „einfach“ sein könnte wird oft nur gemutmaßt, viele Lai:innen, die sich an der Erstellung verständlicher Texte versuchen, gehen eher von einem alltagsweltlichen Sprachkonzept aus und greifen auf die Ergebnisse linguistischer Forschungen, insbesondere auch der Verständlichkeitsforschung, eher selten zurück und erzeugen so häufig neue Probleme. Mittlerweile darf nun auch KI „mitmischen“.
Immerhin hat die Linguistik einzelne Aspekte der bisher bestehenden Regelwerke schon ziemlich gut untersucht und auf Fehlstellen und problematische Seiten dieser Regelwerke hingewiesen.
Im Seminar sollen die verschiedenen Sichtweisen auf dieses Thema kritisch geprüft und auch so manche eigenen Textversuche unternommen werden, auch um selbst zu erleben, wie schwierig es ist, sich in andere Bedürfnisse und Denkweisen hineinzuversetzen. Einige praktische Projekte, wie etwa die Erstellung des Lieblingsrezeptes in einfacher Sprache, gehören auch in diesem Semester wieder zum Arbeitsprogramm. Für die Kunstinteressierten könnte ein Projekt für das Familienzentrum Radebeul – Kunst - für Demenzkranke erklärt – vielleicht eine Option sein?
Literatur:
- Bock, Bettina M.; Pappert, Sandra (2023): Leichte Sprache, Einfache Sprache, verständliche Sprache. Tübingen: Narr Francke Attempto.
- Maaß, Christiane; Rink, Isabel (Hg.) (2019): Handbuch Barrierefreie Kommunikation. Berlin.
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Zeit: Montag; 4.DS
Ort: W48/0103/U