Kunstmärchen
Dozentin: PD Dr. Anja Gerigk
Zeit: Mi (2)
Ort: W48/1.01
Beginn der Einschreibung: 23.03.26, 15:00 Uhr
Sprechstunde:
Dienstag, 11:30-12:30 Uhr, W48/1.24 (außer in vl-freien Zeiten, Anmeldungen in OPAL)
Mit der Bitte um Beachtung:
Kommentar:
Das Spektrum des Märchenhaften wird in dieser Erzähltradition – ,Volksmärchen‘ bleiben ausgespart – vielfältig ausgeschöpft: in esoterischer Symbolik, über menschliche Grenz- und Schwellenerfahrung sowie als Reflexion des Dichterischen und der Einbildungskraft. Poetologische, z.T. metatextuelle Züge prägen die Gattung besonders während der Früh- und Spätromantik. Die Werke erscheinen häufiger als Teil von Sammeldichtungen wie Tiecks „Der blonde Eckbert“ (1797, aus „Phantasus“). „Der goldne Topf“ (1814, aus „Fantasiestücke in Callots Manier“) von E.T.A. Hoffmann lässt Dresdner Realitätsbezüge einfließen, um sich desto rückhaltloser dem Reich der Poesie zu öffnen. Einen Sonderfall findet man in Wielands Aneignung des Genres: Das Biribinker-Märchen aus seinem satirischen Roman „Don Sylvio“ (1764) treibt die populären Feengeschichten grotesk auf die Spitze, um damit aufklärerische Ziele zu verfolgen. Ebenfalls vor/außerhalb der Romantik präsentiert Goethes Novellenzyklus „Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten“ (1795) zum Abschluss das „Mä(h)rchen“, das keinen anderen Titel trägt. Überraschend mag sein, dass auch die Moderne nach 1900 vereinzelt Kunstmärchen eigener Art hervorgebracht hat: z.B. Hugo von Hofmannsthals „Die Frau ohne Schatten“ (1919), auch als Opernwerk bekannt, die exotistischen Texte Max Dauthendeys oder das „Märchen vom Materialismus“ (1948) des Modernisten Alfred Döblin. Das Seminar möchte die Bandbreite der literarischen Gestaltung des Wunderbaren zugänglich machen.
Zur Einführung vgl. Lothar Blum/Stefan Neuhaus (Hg.): Handbuch Märchen (Metzler, 2023).