WS 2026/27_Do. 14:50 S Jüdische Literaturen im postkommunistischen Osteuropa

TU Dresden | Wintersemester 2026 / 2027 WS 2026/27_Do. 14:50 S Jüdische Literaturen im postkommunistischen Osteuropa

Das Seminar widmet sich jüdischen Literaturen im postkommunistischen Osteuropa seit den späten 1980er Jahren. Mit dem Zusammenbruch der staatssozialistischen Systeme und der Öffnung zuvor tabuisierter Bereiche der Geschichte wurde auch jüdisches Leben neu sichtbar und literarisch verhandelbar. Autor:innen begannen offen über staatlichen und alltäglichen Antisemitismus, über Ausgrenzung, Assimilation und die verdrängte Geschichte jüdischer Gemeinschaften zu schreiben. Zugleich entstand ein neues Interesse an jüdischen religiösen Traditionen, kulturellen Praktiken, Familiengeschichten und Fragen ethnischer Zugehörigkeit. Das Seminar untersucht, wie Literatur an dieser Wiederentdeckung jüdischer Identität beteiligt war. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den unterschiedlichen und doch so ähnlichen historischen Erfahrungen in der Sowjetunion, in Polen und in der Tschechoslowakei. Dazu gehört v.a. die Geschichte der Repatriierung nach Israel und des Kampfes um das Recht auf Ausreise sowie das Phänomen der „Refuseniks“. Im Seminar fragen wir, wie sich nach 1989 die literarischen Formen des Erinnerns an Shoah, Stalinismus, Antisemitismus und Emigration verändern, wie Familienarchive und individuelle Biographien mit kollektiver Geschichte verbunden werden und welche Rolle Sprache, Religion, Generation und Geschlecht für jüdische Selbstbeschreibungen spielen. Methodisch verbinden wir Close Reading mit Ansätzen der Memory Studies und der Minderheiten- und Diasporaforschung.

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