La France profonde. Identitäten zwischen Zentrum und Peripherie
Dozentin: PD Dr. Bettina Lindorfer
Zeit: Do (2)
Ort: ABS/2-13
Sprechstunde:
Nach Vereinbarung.
Mit der Bitte um Beachtung:
Kommentar:
La France profonde. Identitäten zwischen Zentrum und Peripherie
Während Paris als kulturelles Zentrum der "Grande Nation" häufig im Fokus steht, richtet dieses Seminar den Blick auf die französische Provinz. Zum einen werden wir die Kultur ausgewählter Regionen Frankreichs (z. B. Elsass, Korsika und Normandie) näher kennenlernen, zum anderen den häufig diagnostizierten Eindruck der „Abgehängtheit“ ländlicher Räume und kleiner Städte diskutieren. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die ihr Dorf oder ihre Kleinstadt vor Jahren verlassen haben und aus unterschiedlichen Gründen für kürzere oder längere Zeit dorthin zurückkehren. An ihren Biografien wird der Kontrast zwischen Zentrum und Peripherie besonders greifbar. Prominente Rückkehrer wie Annie Ernaux (La place, 1984), Didier Eribon (Retour à Reims, 2009) und Édouard Louis (En finir avec Eddy Bellegueule, 2014) haben vielbeachtete Texte über diese Erfahrung geschrieben. Sie prägt weiterhin nicht nur aktuelle Filme wie Partir un jour (Nur für einen Tag, 2025) oder En fanfare (Die leisen und die großen Töne, 2024), sondern bildet auch in der zeitgenössischen Literatur den meist konfliktreichen Hintergrund der Handlung.
In Absprache mit den Teilnehmer:innen wird das Seminar überwiegend in französischer Sprache stattfinden.
Literatur:
- Benoît Coquard 2019: Ceux qui restent. In: Esprit 459, 97-104 und 2020: Der Niedergang der Provinz. Abgehängte Regionen oder der legitime Lebensstil der unteren Schichten. In: Frankreich Jahrbuch 2020: 103-120.
- Maylis de Kerangal 2024: Jour de ressac. Roman. Paris: Gallimard (dt. v. A. Spingler: Brandung. Roman. Berlin: Suhrkamp 2026).
- Marie Kock 2025: Après le virage, c'est chez moi. Paris: Pocket.
- Marie-Hélène Lafon 2020: Histoire du fils. Paris: Buchet-Chastel (dt. v. A. Spingler: Geschichte des Sohnes. Zürich: Rotbuchverlag 2022).