(Natur)Wissenschaft und Technik im Spiegel der Literatur
(Natur-)Wissenschaft, Technik und Literatur, oft aufgefasst als einander entgegengesetzte Weisen, die Welt zu erschließen, zu deuten und zu verstehen, treten insbesondere in der Moderne in eine ebenso komplexe wie spannende Beziehung. Diese Allianz zwischen 'scientia', 'technica' und 'poetica' möchte die Vorlesung näher betrachten. Folgende Fragen werden uns dabei beschäftigen: Wie setzen sich literarische und poetologische Texte mit Theorie und Praxis der modernen Naturwissenschaften, der Technik und Technologie auseinander? Welche naturwissenschaftlichen und technologischen Diskurse, Themen und Motive greift die Literatur auf? Wie sind wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Praktiken in die Literatur integriert, wie werden sie dichterisch fortgesetzt, metaphorisch funktionalisiert? Prägen große naturwissenschaftliche und technische Entdeckungen die Sprache, den Erzählstil, generell die literarischen Verfahrensweisen von Literatur? Was leistet die Literatur – für sich selbst, für die Gesellschaft, für Wissenschaft und Technik –, wenn sie Wissenschaft und Technik produktiv rezipiert? – Ausgehend von einem historischen Rückblick, in dem relevante Stationen im Verhältnis von (Natur)Wissenschaft, Technik und Literatur skizziert werden, legt die Vorlesung den Fokus auf prominente Fallbeispiele der europäischen Literatur. Auf der Grundlage ausgewählter Texte (u.a. von Mary Shelley, Bertolt Brecht, Daniel Kehlmann) soll der Bogen von der klassischen Moderne über die Postmoderne bis zur Gegenwart gespannt und maßgebliche Entwicklungen jenes ebenso kritischen wie produktiven Dialogs zwischen 'science', 'fiction' und 'technology' aufgezeigt werden.