„Mit neuen Medientechniken wird immer wieder die Erwartung auf ein „besseres Lernen“ und eine „Erneuerung des Bildungswesens“ verknüpft. Radio oder Fernsehen, die CD oder das Internet, immer wieder wird vermutet, dass mit dem Medium an sich ein substantieller Gewinn für das Lernen verbunden sein könnte. Und immer wieder wird deutlich, dass es nicht das Medium an sich ist, dass diese Veränderungen bewirken könnte, sondern nur bestimmte didaktische Konzepte und Nutzungsszenarien.“

Klimsa, P. (Hg.): Online-Lernen – Handbuch für Wissenschaft und Praxis, 2. Auflage, München 2011, S. 264.

Sie haben sich sicher schon gefragt, woran gutes E-Learning erkannt werden kann. Diese Frage ist aber gar nicht so einfach zu beantworten, denn nicht der Medieneinsatz selbst ist entscheidend und auch nicht eine bestimmte Technik, ein bestimmtes Medium oder die Menge der verwendeten Medien. Beim Einsatz digitaler Medien in der Lehre sind die gezielte Planung und der didaktisch sinnvolle Einsatz wichtig, also die Wahl der richtigen Methode(n). 1

Beim Einsatz digitaler Medien in der Lehre, geht es vor allem um die Frage, „welche Bildungsprobleme oder Bildungsanliegen durch den Einsatz von Medien grundsätzlich gelöst werden können.“

Kerres, M.: Mediendidaktik – Konzeption und Entwicklung mediengestützter Lernangebote, 4. Auflage, München 2013, S. 77-78.

Leider gibt es kein einheitliches Rezept für gutes E-Learning. 2 Wenn aber keine eindeutigen Aussagen getroffen werden können, wie kann dann gutes E-Learning erkannt werden? Welche Merkmale treffen auf gutes E-Learning zu? Auf jeden Fall die gleichen, wie für gute Lehre. Lehre ist ein großer Bestandteil, wenn nicht sogar der größte Bestandteil von E-Learning. Um also zu bestimmen, wie gute Lehre unter dem Einsatz digitaler Medien aussieht, sollte zuerst betrachtet werden, was gute Lehre (auch ohne den Einsatz digitaler Medien) ausmacht.

Was ist gute Lehre?

Auf den ersten Blick scheint es nicht leicht die Qualität von Lehre zu bestimmen, da jede Lehre anders ist. Es existieren aber bereits wirksame Kriterien für gute Lehre.

Im Bereich der Lehrplanung haben sich zum Beispiel eine gute Vorbereitung und die Planung nach Constructive Alignment bewährt. 3

Constructive Alignment

Bei einer Lehrveranstaltungsplanung nach Constructive Alignment 4 werden Prüfungsform, Lernziele und Lernaktivitäten optimal aufeinander abgestimmt.

Als erster Schritt werden in der Planung die Lernziele und damit z.B. die zu erreichenden Kompetenzen festgelegt. Darauf basierend werden die zugehörigen Lernaktivitäten (Inhalte und Methoden) geplant, um die festgelegten Lernziele zu erreichen. Anschließend wird dazu die passende Prüfungsform (unter Einbeziehung der Modulbeschreibung, der Prüfungsordnung und anderer Formalien) festgelegt.

Bei der Durchführung der Lehre sind die Präsentationsfähigkeiten des Lehrenden, eine professionelle Beziehungsgestaltung sowie die Aktivität und Motivation der Studierenden sehr wichtig. Außerdem zählen didaktische Feinheiten wie Methodenvarianz, adaptives Lernen und die Einordnung der Lehrinhalte in höhere Kontexte zu den Erfolgsfaktoren. 5

Außerhalb der Lehrveranstaltung wirken sich gute Beratung und Betreuung sowie unterstützende Lehrmaterialien positiv auf die Lehre aus. 6

Natürlich spielen Ihr Enthusiasmus für Ihr Fach und Ihr Engagement für Ihre Lehre eine wichtige Rolle. Mit Ihrer Begeisterung können Sie sozusagen die Studierenden „anstecken“. 7

Da E-Learning nur einen Teil der Lehre darstellt, kann der Einsatz von digitalen Medien in der Lehre diese Kriterien nicht ersetzen. Diese Kriterien sind eine entscheidende Grundlage für gute Lehre, egal ob mit oder ohne digitalen Medien. Deshalb sollte der Einsatz digitaler Medien in der Lehre immer erst auf einer guten Lehre basieren.

Weiterführende Informationen

Hier finden Sie Literaturempfehlungen zum Thema Hochchuldidaktik und guter Lehre.

DIDAKTIK-COACH

Im Buch „Einführung in die Hochschul-Lehre: Der Didaktik-Coach“ von Andreas Böss-Ostendorf und Holger Senft finden Sie einen guten Einstieg in das Thema Didaktik.

GUTE LEHRE IN DER HOCHSCHULE

Einen alternativen Einstieg in das Thema Hochschuldidaktik bietet Immanuel Ulrichs „Gute Lehre in der Hochschule: Praxistipps zur Planung und Gestaltung von Lehrveranstaltungen“.

CHARTA GUTER LEHRE

In der „Charta guter Lehre“ fasst der Stifterverband auf 116 Seiten zusammen, was gute Lehre ausmacht und wie gute Lehre gefördert werden kann. Das PDF steht frei zum Download bereit.


  1. Vgl. Klimsa, P. (Hg.): Online-Lernen – Handbuch für Wissenschaft und Praxis, 2. Auflage, München 2011, S. 264-266.
  2. Vgl. Schulmeister, R.: Kriterien didaktischer Qualität im E-Learning zur Sicherung der Akzeptanz und Nachhaltigkeit, In: Euler, D.; Seufert, S.: E-Learning in Hochschulen und Bildungszentren, München 2009, S. 477-482.
  3. Vgl. Ulrich, I.: Gute Lehre in der Hochschule – Praxistipps zur Planung und Gestaltung von Lehrveranstaltungen, Wiesbaden 2016, S. 25-34.
  4. Vgl. Biggs, J.: Aligning Teaching And Assessing To Course Objectives, In: Teaching and Learning in Higher Education – New Trends and Innovations, University of Aveiro, Aveiro 2003.
  5. Vgl. Ulrich, I.: Gute Lehre in der Hochschule – Praxistipps zur Planung und Gestaltung von Lehrveranstaltungen, Wiesbaden 2016, S. 25-34.
  6. Vgl. Ulrich, I.: Gute Lehre in der Hochschule – Praxistipps zur Planung und Gestaltung von Lehrveranstaltungen, Wiesbaden 2016, S. 25-34.
  7. Vgl. Ulrich, I.: Gute Lehre in der Hochschule – Praxistipps zur Planung und Gestaltung von Lehrveranstaltungen, Wiesbaden 2016, S. 20.